Dein Avatar und Du

2007-05-31
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Man ist, was man ißt – aber was ist/ißt Dein Avatar? Ähnlich dem Babelfisch leben Avatare wohl hauptsächlich von den Gehirnwellen (sowie von ein Paar Bit & Bytes der Formen und Texturen – den Beilagen sozusagen). Jedoch eher von denen ihrer Wirte bzw. Tipper. Diese Gehirnwellen tragen sie (die Avatare) über das Metaverse zu anderen Avataren/Lebewesen/Lebensformen.

Die Beziehung zwischen Mensch und Avatar kann sehr vielfälltig sein, was diese Diashow von Robbie Cooper zeigt. Es werden Bilder von Avataren und Ihren Menschen gegenübergestellt. Die Bandbreite reicht von „sehr Ähnlich“ bis über „eine besser Aussehende Version von mir“ und „Mann mittleren Alters der als junges Mädchen posiert“ bis hin zu „nicht mehr wiederzuerkennen„. (via Rik Riel)

Auch die Ziele der einzelnen Personen, die sie in der virtuellen Welt verfolgen unterscheiden sich sehr. Bei manchen kann man vielleicht nicht einmal von definierten Zielen sprechen. Eher sind es positive Effekte auf die eigene Persönlichkeit, wie bei der schüchternen Frau, die Selbstwertgefühl aufbauen konnte oder dem behinderten Jungen, der durch virtuelle Welten überhaupt erst mit Leuten außerhalb seines direkten Umfelds in Kontakt treten kann.

Ist der Avatar ein „Residual Self Image„, als ein Körper, wie wir ihn gerne auch im echten Leben hätten? Überhaupt: Warum sehen die Akteure in Matrix auch in RL gut aus? Warum haben die überhaupt die gleichen Schauspieler genommen? Neo hätte doch in den RL-Szenen auch von „Weird Al“ Yankovic gespielt werden können. Und Morpheus von Dustin Hoffman.

Es hat doch nichts mit Selbstverleugnung oder Realitätsverlust zu tun, wenn ich bei meinem Avatar die Pfunde weglasse, die ich im richtigen Leben erst noch abnehmen muss. Meinen Avatar gestalte ich selbst, und dabei steht es mir frei, wie sehr ich mich an meinem realen Aussehen orientiere. Ein Stück weit macht doch genau das den Reiz von virtuellen Welten wie Second Life aus: Das echte Äußere nimmt eine untergeordnete Rolle ein, und das virtuelle Aussehen ist jenseits von der Grenzen (und mit weitaus Geringeren Kosten als die) von Nip/Tuck beeinflussbar. Und wie im echten Leben ist dieses Aussehen oft nur Türöffner. Wenn man nämlich die Person hinter dem Avatar mit der Zeit kennenlernt. Und schon ist der Unterschied zum echten Leben gar nicht mehr so groß.

Im Grunde fällt also alles wieder auch den Charakter hinter der Rolle zurück. Wer im echten Leben ein ausgeprägtes Ar… ist, der wird auch in Second Life nicht lange gute Manieren vorspielen können