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„Wetten dass..?“ war Familiensoße

Volker Remy erklärt den Untergang von Thomas Gottschalk und Harald Schmidt. Allerdings stimme ich mit seiner Aussage, dass Gottschalk nie internetaffines Publikum ansprach nicht ganz überein.

Ich denke bei Gottschalks Erfolg mit „Wetten dass..?“ und sein Mißerfolg mit … wie nennt sich die neue Sendung überhaupt … hängt damit zusammen, dass seine Zielpublikum wohl zum großen Teil aus ganzen Familien bestand. In der Rückschau gab es zwei Phasen, in denen ich „Wetten dass..?“ regelmäßig angeschaut habe: Als Kind bzw. junger Jugendlicher zusammen mit meinen Eltern und meiner Oma. Sagen wir einmal grob zwischen erster und achter Klasse. Dann kam eine lange Pause, bis ich selbst Vater wurde und meine Kinder wieder genau in diesem Alter sind: Schulklasse eins bis acht.

Und genau in diesem Bereich ist/war das „analoge Lagerfeuer“ so wichtig. Es ist die Soße, die die Generationen verbindet: Die Kleinen schauen es schon an, die Großen schauen es noch an. Die Eltern können es ebenfalls ertragen, und auch für die Großeltern ist etwas dabei. Egal ob Internetaffin oder nicht: Die Familie hat etwas, was sie gemeinsam Konsumieren kann. Und weil man sich so selten am Lagerfeuer trifft, macht es auch nichts, dass es immer ein Stündchen länger als im Programmheft abgedruckt geht.

Nicht umsonst ist die „Soße“ so entscheidend für eine gelungene Mahlzeit: Gut gemacht setzt sie einem gelungenen Gericht die Krone auf. Schlecht gemacht ruiniert sie alles. Und zwischendrin gibt es viele Abstufungen.

Und das ist meine Erklärung, warum die „treuen Gottschalkfans“ nicht mit Thomas nach Berlin gezogen sind, um „Gottschalk live“ zu schauen. Das neue Format ist keine Familiensauce mehr. Diese Funktion wird jetzt eben mehr von Raab und Bohlen übernommen. In mädchenlastigen Haushalten wohl auch von Klum. Das schmeckt zwar nicht mehr ganz so ausgewogen wie Gottschalk, aber erfüllt den Zweck trotzdem ganz ordentlich.

Und vielleicht kommt ja irgendwann wieder ein Familiensoßenkoch der Spitzenklasse. Es wäre zu hoffen, denn irgendwann sitzen ja hoffentlich die Enkel mit auf dem Sofa.

PS: Und auch das ist vielleicht eine Erklärung für „den Untergang der Samstagabend-Unterhaltung“: Wo nicht mehr so viele Generationen zusammenleben, braucht es weniger (oder zumindest andere) Soßen.

 

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