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Google-Plus und der Privatsphärenirrtum

So, da ist es also: Google-Plus, oder eben G+. Es ist besser. Cooler. Man ist wieder unter sich. Early-Adaptors und wer gerne einer sein möchte. Und alle schwärmen vom Plus an Kontrolle, die man mit Google im Vergleich zu Facebook hat.

Und tatsächlich: Wärend bei Facebook die Standarteinstellung so ist, dass man für alle „Freunde“ (also Kontakte) schreibt, so kann und muss man bei Google-Plus angeben, wer das jeweilige Update sehen kann. „Circles“ werden diese Gruppen genannt, in die man seine Kontakte einteilen kann. Einen für die Familie, einen für die Freunde, einen für berufliche Kontakte. Kein Partyfoto mehr dort wo man es nicht haben möchteaber halt:

So einfach ist das nicht! Die Verschiedenen Kreise definieren wer meine Nachricht sehen kann. Um beim Beispiel zu bleiben, kann ich mein „wildes Partyfoto“ an den Circle „Party-People“ senden. Weder „Familie“, „Church-Folks“ noch „Seriös/Dienstlich“ bekommen das Bild direkt zu Gesicht.

So kommen die Party-Fotos zum Chef!Aber genau da hört meine Kontrolle auch auf – wie bei allem, das ich ins Internet stelle. Denn wenn einer meiner Party-Freunde das Bild weiterleitet (also: Mit seinen Kontakten oder gar der Öffentlichkeit „teilt“), kann das Bild ganz schnell wieder genau dort sein, wo ich es eigentlich nicht haben möchte. Dann darf ich dem Baptistenpfarrer erklären, warum ich ausgerechnet auf dem Oktoberfest über die Gefahren des Alkohols spreche. Und meine Frau sieht, dass ich heimlich das „No Ma’am“ T-Shirt angezogen habe. Und Oma bekommt das Tatoo direkt über meinem Bauchnabel zu sehen, das ich so gut vor ihr verstecken konnte…

Ja, ich kann angeben, dass der Beitrag nicht weitergeleitet wird. Aber trotzdem kann man Bilder speichern und neu posten. Oder gar ausdrucken! Alles was im Internet ist kann weiterverteilt werden. Dagegen gibt es keinen Schutz. Denn das Internet ist genau dazu gebaut worden: Um Daten zu verbreiten.

Ich mag Google-Plus. Sehr sogar. Aber wir sollten uns nicht dem Irrtum hingeben, dass unsere Privatsphäre bei Google besser geschützt ist als bei Facebook. Beide Datenkraken wollen nur unser bestes: Unseren Social Graph und ein möglichst genaues Bild davon was wir im Web und in der Welt tun. Und in diesem Punkt hat Google nun wieder einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Ich werde G+ wohl intensiv nutzen. Aber im Bewustsein, dass alles was dort reingeht öffentlich ist. Und zwar nicht erst „vor dem Richterstuhl„, sondern schon deutlich früher 🙂

PS: Wer über diesen Artikel diskutieren will, kann das gerne hier in den Kommentaren, aber auch bei Google-Plus tun 🙂
PPS: Jeffrey kommt auf anderem Weg zum ähnlichen Schluss: Experiment: Privatsphäre auf Facebook nutzlos

 

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7 Comments

  1. Posted 9. Juli 2011 at 7:13 | Permalink

    Ja, ist wohl der beste Rat, den man geben kann: immer davon ausgehen, dass alles, was man im Netz veröffentlicht, irgendwann potentiell „öffentlich“ sein wird.

  2. Mett
    Posted 10. Juli 2011 at 14:08 | Permalink

    „Und tatsächlich: Wärend man bei Facebook für alle “Freunde” (also Kontakte) schreibt[…]“

    Das stimmt nicht. Man kann bei jedem Beitrag und bei jedem Foto festlegen, wer diesen sehen kann und wer nicht.

  3. stwaidele
    Posted 10. Juli 2011 at 18:59 | Permalink

    @Mett: Stimmt, danke für den Hinweis.

    Bei FB ist es aber die Grundeinstellung, dass man öffentlich schreibt, und man kann dies ändern.

    Ich habe den Satz entsprechend geändert.

  4. Karin Will
    Posted 12. Juli 2011 at 23:10 | Permalink

    „Ja, ich kann angeben, dass der Beitrag nicht weitergeleitet wird. Aber trotzdem kann man Bilder speichern und neu posten. Oder gar ausdrucken! Alles was im Internet ist kann weiterverteilt werden. Dagegen gibt es keinen Schutz. Denn das Internet ist genau dazu gebaut worden: Um Daten zu verbreiten.“

    – Na ja, so geht es einem im Grunde mit jeder E-Mail, mit jeder SMS und genaugenommen mit allen Lebensäußerungen. Selbst handgeschriebene Briefe könnten theoretisch eingescannt und übers Netz verbreitet werden. Nicht einmal das ausschließlich gesprochene Wort ist sicher – der Risikofaktor heißt Tratsch.
    Um sich davor komplett abzusichern, müsste man zum Ensiedler werden. Wer das nicht will, der wird sich wohl oder übel auf das eigene Urteilsvermögen und den menschlichen Anstand verlassen müssen – so wie im prädigitalen Zeitalter auch schon.

  5. stwaidele
    Posted 15. Juli 2011 at 11:30 | Permalink

    @Karin: Ja, so weit kann man das treiben. Aber wie Du schon selbst sagst: Den gedrucken Brief muss man kopieren bzw. einscannen. Bei einer E-Mail genügt ein Knopfdruck + Empfänger auswählen.

    Bei G+ ist es sehr viel einfacher, Postings an _unkontrollierte_ Empfänger weiter zu leiten.

    Ja, absichtlich verpetzen geht überall gleich gut. Aber das unabsichtliche ist bei FB und G+ einfach sehr viel einfacher.

  6. Posted 11. Oktober 2011 at 15:02 | Permalink

    Google+ bietet dem Nutzer von Anfang an die Möglichkeit seine Daten besser zu schützen. Das hat Google sehr gut gelöst. Facebook ist aber auch nicht dumm und hat diese Funktionen schon kopiert.
    Aber meine Daten werden in sozialen Netzwerken nie sicher sein.
    Du sprichst genau die richtigen Punkte an.
    Die Nutzer beschäftigen sich aber zu weniger damit und denken einfach nicht so weit.

  7. Posted 11. Oktober 2011 at 19:29 | Permalink

    Meine Meinung habe ich ja bereits schon in dem von dir verlinkten Beitrag hinterlassen.

    Was ich aber noch anmerken möchte: Bei Google Plus kann man „einen Beitrag sperren“. Dann ist es anderen Personen nicht möglich diesen erneut zu teilen. Schützt aber natürlich nicht vor Copy & Paste und was es sonst noch so alles gibt.

    Siehe: http://www.google.de/support/profiles/bin/answer.py?answer=1297219

2 Trackbacks

  1. By Google+: Your privacy still is an illusion on 12. Juli 2011 at 16:55

    […] http://stefan.waidele.info/2011/07/08/google-plus-und-der-privatspharenirrtum/ Home⁄ internet⁄ Google+: Your privacy still is an […]

  2. By Liebe Facebook Freunde, | Stefan.Waidele.info on 18. September 2012 at 21:18

    […] aufspringe, wenn Zuckerberg ein weiteres Stück unserer eingebildeten Privatsphäre wegnimmt. Ich habe es schon einmal gesagt, und ich sage es nochmal: Was im WWW gepostet wird ist öffentlich. Als die Maus, fertig die […]