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Dylon Horrocks – Ein offener Brief an Journalisten bezüglich Wikileaks (Übers.)

Dylon Horrocks – Ein offener Brief an Journalisten bezüglich Wikileaks

Da der Kampf gegen Wikileaks inzwischen den Siedepunkt erreicht hat, wurde aus der Angelegenheit etwas viel größeres als die einzelnen Details des Cablegate-Leaks bzw. ob man der Meinung ist, die Veröffentlichung sei ein Fehler, oder der Inhalt sei unwichtig.

Denken wir zurück an die “Pentagon-Papiere” und stellen wir uns die Frage: Hätten wir lieber Nixon bei seinen Versuchen Daniel Ellsberg, Neil Sheehan und die Washington Post zu unterdrücken, verfolgen und zu belästigen unsterstützt? Oder wären wir aus Prinzip standhaft geblieben?

Die beiden Veröffentlichungen sind selbstverständlich sehr verschieden, und dennoch: Dies ist eine Art von moralischer Herausforderung, wie sie wohl jede Generation nur einmal gestellt wird. Dadurch dass die Versuche Wikileaks zu zerstören inzwischen die Grenzen des gesunden Menschenverstands überschritten und sich ins ungesetzliche und orwell’sche gesteigert haben, wird diese Situation zu einer grundlegenden moralischen Krise für Meinungsfreiheit, Journalismus und für die Demokratie.

Offen gesagt ist es mir egal ob man Julian Assange arrogant findet und man sich an ihm stört, oder wie man zu Gaddafis Krankenschwester steht. Das, um was es nun geht ist sehr viel bedeutender und das Ende dieser Krise wird die Grundregeln des Journalismus, von Enthüllungen, des Internets, der freien Rede und der Demokratie für eine lange Zeit festlegen.

Und darin liegt letztendlich die offensichtliche Parallele mit den Ereignissen um die Pentagon-Papiere und was darauf folgte.

Also bitte: Überlegen wir uns welchen Eindruck unsere heutigen Taten in zwanzig Jahren hinterlassen, und bitte – den Idealen und Prinzipien die Euch ursprünglich dazu bewogen haben, Journalist zu werden – nehmt diese Krise ERNST!

Dylon Horrocks: An open letter to journalists regarding Wikileaks. via Nerdcore.

Oder auch, direkt auf deutsch und wesentlich wortreicher bei FAZ.net: “Sieben Jahrhunderte Wikileaks“.