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Crowdsourcing: Die Guten, die Bösen und die Hässlichen

Es sind schon ein paar Ecken, die mich zur Blogparade: Crowdsourcing, Contests, Open Innovation – gut oder böse? gebracht haben. Trotzdem ist es doch immer wieder ein spannendes Thema, dem ich mich gerne aus der Richtung von OpenSource – also eigentlich der ersten ernstzunehmenden Crowdsourcing-Bewegung nähern möchte.

Für mich sind zwei Punkte für den Erfolg oder Mißerfolg von Crowdsourcing entscheidend: „Erwartungen“ und „Belohnungen“.

Crowdsourcing ist nicht „professionell“

Warum sollen die Massen an meinem Projekt – oder gar an meinem Produkt – mitarbeiten? Auch wenn hier oft der Preis genannt wird, den es bei Wettbewerben oft zu gewinnen gibt, kann der doch nicht alles sein. Denn schließlich gibt es nur einen (oder wenige) Gewinner. Und wenn man aus der Sicht eines in der entsprechenden Branche aktiven Profis an die Sache herangeht, dann ist es nicht interessant, Teil der Crowd zu werden. Aber Crowdsourcing ist kein Ersatz für eine Ausschreibung – im Gegenteil: Es geht darum, dass Amateure (das hat im Wortstamm mit „Liebhaberei“ zu tun) einzelne Teile beisteuern aus dem sich dann ein großes Ganzes zusammentut – oder der Initiator dieses eben zusammenfügen muss.

Crowdsourcing ist nicht „billig“

Dieses Bewerten und Zusammenfügen ist es auch, was trotz der „kostenlosen Arbeitskraft“ dann doch Geld kostet. Nicht umsonst bittet Jimmy Wales regelmäßig um Spenden für Wikipedia. Außerdem erwartet die Crowd auch entsprechende „Entlohnung“. Und in den wenigsten Fällen ist diese monetär. Aber es geht um Anerkennung und auch darum, dass man das Resultat des öffentlichen Schöpfungsprozesses nicht einfach nimmt und in den Firmentresor einschließt. Offene Lizenzen wie die GPL oder viele der CC-Varianten fordern, dass die Werke, die auf den öffentlichen Fundamenten aufbauen auch wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Wer die eigene Arbeit nicht teilen mag – weil sie ihm zu wertvoll erscheint – der sollte auch nicht auf Crowdsourcing zurückgreifen.

Crowdsourcing ist nicht „exklusiv“

Wenn Ideen in der großen Gruppe erarbeitet werden, dann kann auch der Konkurrent diese anzapfen und sein eigenes Produkt verbessern. Der Wettbewerb ist somit intensiver – aber wird dadurch auch bessere Lösungen (für den Verbraucher) hervorbringen. Aber, wie sagt Guy Kawasaki so schön: „Die wenigsten Ideen sind so einmalig, dass sie nicht ein anderer auch haben könnte“ – oder eben auch schon gehabt hat.

Crowdsourcing ist nicht „fertig“

Oliver Schuh verpflanzt das Konzept des Crowdsourcing in ein Restaurant – und dieses kommt bei ihm gar nicht gut weg. Vielleicht liegt das aber auch daran, wie das Konzept in diesem fiktiven Restaurant eingesetzt wird. Das fertige Gericht, das der Gast bestellen möchte gibt es tatsächlich nicht. Aber in der Küche, die dem Gast ja auch zur Verfügung steht, sind viele der Vorarbeiten schon erledigt. Er kann das Mise en Place der anderen benutzen, um sein Traumgericht (ohne Soßenbinder) zusammenzustellen. Der Einwand, dass man dies aber nicht tun kann oder will zählt hier nicht. In diesem Fall muss man dann tatsächlich in ein „normales Restaurant“ gehen bzw. das Projekt auf konventionelle Weise realisieren. Beispiele wie „Restaurant“ oder „Möbelhaus“ taugen eh‘ nur sehr eingeschränkt für Konzepte von Social Media, werden aber immer wieder gerne herangezogen. Aber das ist ein anderes Thema.

Crowdsourcing ist nicht „geheim“

Wer sein Projekt der Masse öffnet, der gibt der Masse auch die Möglichkeit vom Projekt zu lernen. Wer bei OpenStreetmap mitzeichnet lernt, wie die Grundlagendaten für Landkarten beschaffen sind. Wer an einem OpenSource Projekt mitprogrammiert, lernt viel über Programmierung. Wer bei einer Blogparade mitschreibt, beschäftigt sich viel intensiver mit dem Thema. Auch dies sind „Belohnungen“ für diejenigen, die ihre Arbeitskraft und Kreativität einfließen lassen.

Fazit

Alle Punkte die ich aufgeführt habe, sind negativ formuliert. Aber meiner Meinung nach ist Crowdsourcing ein sehr gute Herangehensweise an viele Projekte und Probleme. Eine positive Einstellung zur offenen Kultur des Teilens vorausgesetzt. Wer die nicht hat, der sollte bei den klassischen Methoden bleiben.

PS: Habe ich bereits erwähnt, dass Blogparaden ein sehr schönes Beispiel für Crowdsourcing sind…?

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  4. […] –  speziell per Wiki oder Blog – hat mich schon immer fasziniert. Kein Wunder konnte ich meinen Mund nicht halten konnte, als es eine entsprechende Blogparade gab. Nun arbeiten Michael und Felicitas an Ihrer Masterarbeit genau zu diesem […]