Stefan.Waidele.info

Freie Lizenzen als Basis für Social Media & Viralität

Starke Ansage, der Titel, nicht wahr? Wäre der mir früher eingefallen, dann hätten wir für die Session beim #Hotelcamp sicher den großen Raum benötigt. 😉

Aber die Session fiel aus – wegen mangelndem Interesse. So ist das eben bei Barcamps, es wird mit den Füßen abgestimmt. Damit kann ich auch ganz gut leben. Allerdings haben sich mir alle Haare zu Berge gestellt, als in der Pause danach ein Fotograf über die äußerst eingeschränkten Verwendungsmöglichkeiten seiner Fotos sprach: „Nur für die werbliche Darstellung des Hotels

Und da ist das große Problem, wenn es darum geht, seinen touristischen Betrieb oder die Destination in den sozialen Netzwerken zu plazieren: Die Rechte am Content!

Und genau deshalb ist es für alle Touristiker und Hoteliers wichtig, einige Grundlagen zu Freien Lizenzen zu kennen.

Vorab: Ich bin kein Anwalt! Das hier geschriebene habe ich aus verschiedenen Quellen zusammen getragen und es hilft mir dabei, auf der sicheren Seite zu sein, wenn ich Inhalte wieder- und weiterverwende. Es kann sein, dass ich zu vorsichtig bin – und es kann sein, dass ich nicht alle Fallstricke entdeckt habe.

Es gibt nichts ohne Lizenz!

Auch „Lizenzfrei“ bedeutet: Du hast die Lizenz, das Photo zu benutzen, ohne „Lizenzgebühren“ zu bezahlen. Mit Erstellung eines Werks entseht automatisch das Urheberrecht, also die Tatsache, dass der Schöpfer über die Verwendung seines Werkes entscheiden kann. Diese Rechte kann er übertragen. Meist geschieht dies gegen Bezahlung.

Aber in jedem Fall müssen wir uns an die Lizenz des Urhebers halten, wenn wir nicht in juristische Schwierigkeiten kommen wollen. Oft sind bei Bildern oder Videos im Internet die Urheber jedoch nicht klar erkennbar – was auch die Suche nach der Lizenz nicht gerade einfach macht.

Es ist schwer für den Gast, für uns Werbung zu machen!

Herkömmliche Lizenzen sind oft für den Benutzer umständlich: „Nur für Print“ schließt eine Nutzung im Internet – und somit einer Verbreitung des Prospekts als PDF aus. Bevor er in eine juristische Falle tappt und Abmahngebühren bezahlen muss, nutzt unser Gast das Bild lieber nicht in seinem Blogpost über seinen Traumurlaub – und schon haben wir eine Chance verpasst, unser Angebot „viral“ verbreiten zu lassen.

„Viral“ ist eh‘ so ein Wort. Alles soll viral sein – und dabei kann man das so wenig planen! Viele wirklich virale Videos basieren auf Urheberrechtsverletzungen. Beispiel? Bitteschön: „JK Wedding Entrance Dance“ – Warum ich hier nur auf den RTL-Bericht zum Hochzeitseinmarsch verlinke? Weil Youtube mir beim Orginal ein freundliches „Dieses Video ist aufgrund der Urheberrechts-Vorschriften in Ihrem Land nicht zu sehen„. So viel zum Thema Viralität.

Und selbst wenn ich inzwischen den Marketing-Leiter des „Hotel friends“ gut genug kenne um sagen zu können, dass er mir keinen Anwalt auf den Hals hetzen würde, wenn ich mich an seiner Bildergallerie bedienen würde: Wer schützt mich vor dem Zorn der Rechnung des Fotografen?

Machen wir es unserem Gast einfach, für uns Werbung zu machen!

Wenn wir unserem Gast ganz deutlich sagen: „Du darfst die Bilder von unserer Webpage nehmen, und weiterverwenden“, dann laden wir Ihn ein, seine Begeisterung in die Welt zu schreien – oder zumindest in seinem Blog zu schreiben. Idealerweise ist im Text zur Bildergallerie und im ALT-Tag des Bilds die Lizenz erwähnt, unter der die Bilder stehen.

Creative Commons haben den Vorteil der Bekanntheit

Für Computerprogramme haben sich die „GNU General Public License – GPL“ oder auch „BSD-Style“ etabliert. Viele Programmierer verwenden diese Lizenzen einfach deshhalb, weil sie bekannt sind, und weil auch Nutzer und Mitprogrammierer damit umzugehen wissen, ohne sich für jedes Programm einzeln in die Paragrafen einlesen zu müssen.

Im Bereich von Texten, Bildern, Videos und Musik ist die „Creative Commons“ Lizenz sehr verbreitet und bekannt. Wobei man nicht von „der CC-Lizenz“ sprechen sollte. Denn Creative Commons ist ein Lizenzbaukasten, der verschiedene Bedürfnisse abdeckt. Die wichtigsten Bauteile sind hierbei:

  • BY
    Nennung des Urhebers (Immer mit dabei – siehe Kommentar von Johann)
  • =
    ohne Veränderungen
  • SA – Share Alike
    Veränderungen bzw. Kombinationen sind erlaubt, das Resultat muss aber unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden
  • NC – Non Commercial
    keine Geschäftliche Nutzung erlaubt

CC-sa ermöglichst somit eine bestmögliche Verbreitung, wobei diese Variante aufgrund mangelnder Nachfrage nicht mehr angeboten wird. CC-by-sa ist somit meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, unsere Bilder und Filme möglichst weit zu verbreiten, und stellt zusätzlich die Zurückverlinkung auf den eigenen Betrieb sicher.

Was sollte man also bei Bildern des eigenen Betriebs beachten?

  • Bei Fotoaufnahmen die Rechte mit erwerben
    (Frage: Was kostet das? Auf dem Hotelcamp habe ich hierrauf nur ein polemisches „Dann kostet das Foto eben nicht €50 sondern €500!“ als Antwort erhalten)
  • Offene Quellen unterstützen:
    OpenStreetMap, BikeMap, Wikipedia, etc.
  • Backlinkmöglichkeiten schaffen
    und somit Links von Blogs attraktiv machen

Dieser Artikel ist der Zweite Teil der Serie: Das eingesperrte Web 2.0„, “Freie Lizenzen als Basis für Social Media & Viralität”, “Das Ende der Kontrolle” und “Beziehungsmarketing gone sour”

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6 Comments

  1. Johann
    Posted 18. November 2009 at 0:30 | Permalink

    Möchte nur kurz anmerken, dass es mittlerweile keine Creative-Commons-Lizenzen mehr ohne „by“ gibt. Die Nachfrage nach den entsprechenden Lizenzen war so gering, dass diese aus dem „Programm“ genommen wurden.

  2. Posted 18. November 2009 at 10:20 | Permalink

    Sehr guter Beitrag, Stefan.

    Ich gebe zwar fast alles, was nicht „privat“ ist (Familienbilder, z.B.) als CC frei, aber bisher eben auch nur non-commercial. Das werde ich ein wenig überdenken…

    Und auch den Copyright-Vermerk auf der Internetseite werde ich abändern. Mir schwebt soetwas vor:

    „Alle Bilder, die Sie auf unserer Internetseite finden, dürfen Sie gerne verwenden, sei es zum Weiterreichen an Freunde, zum Erstellen Ihrer Menükarten bei Festen im Schloss, in Ihren Blogartikeln etc. Es wäre nett, wenn Sie mich dann kurz benachrichtigen könnten, denn ich freue mich über die Verwendung meiner Bilder!“

    Gruß
    Alexander

  3. Posted 18. November 2009 at 10:54 | Permalink

    Sehr guter Artikel!

    Vor kurzem erst haben wir über die rechtliche Seite bei der Verwendung von z.B. Hintergrund- und Profilbildern in Twitter berichtet: http://www.hotel-newsroom.de/twitter/rechtsfragen-rund-um-twitter-1/

  4. Posted 18. November 2009 at 11:32 | Permalink

    Vielen Dank für das Feedback und die Ergänzungen

    @Johann: Ich habe das mit dem BY eingearbeitet – wusste ich noch nicht.

  5. Posted 8. Dezember 2009 at 10:44 | Permalink

    Hallo Stefan,
    ich würde noch einen Schritt weiter gehen. Wenn der Gast über Dein Hotel berichten möchte, dann macht er heutzutage wohl eigene Fotos und die darf er dann auch verwenden. Eine Kamera hat heute fast jeder und sei es im handy…

    • Posted 9. Dezember 2009 at 0:12 | Permalink

      Stimmt. Das „entschärt“ die Problematik.