Stefan.Waidele.info

Das eingesperrte Web 2.0

Mein alter PC war gut genug – aber er ging kaputt.
Also habe ich mir einen neuen gekauft.
Die unausweichlich Frage: „Wie ist er, der neue Computer?„.
Und was soll ich sagen: Der Neue ist wie der Alte!
Die gleichen Programme, die gleichen Daten, die gleichen Arbeiten.
Es hat sich nichts grundlegendes verändert.

Genau so ist es mit dem Web 2.0: Wenn wir nicht lernen, auf eine neue Art und Weise mit dem Internet umzugehen, dann wird das „Social Web“ niemals den hoch gesteckten Erwartungen gerecht werden.

Die meisten der „professionellen User“ nutzen Facebook, Blog und Twitter genau so, wie die Firmenhomepage in den 90ern! Vielleicht noch schlimmer: Wir übersetzen unsere alte Plakat/Flyer/Anzeige-Denke ins sogenannte Web 2.0 und vor lauter kleinen, schnellen Erfolgen merken wir gar nicht, wie zurückgeblieben unsere „tollen Angebote“ doch sind. Weil sie die neuen Möglichkeiten eben nicht ausschöpfen, sondern doch wie bisher nur dazu da sind, unsere Angebote in die Welt hinaus zu schreien. Das konnten auch schon die Marktschreier vor 500 Jahren gut.

Um tatsächlich einen Schritt weiter zu kommen, muss man dem Web 2.0 ermöglichen, dass über die Marke „gesprochen“ werden kann. Nicht wir müssen über uns und unser Produkt sprechen, sondern unsere „Fans“ sollen sich über uns unterhalten. Und zwar in der gleichen freien und ungezwungenen Art, wie dies im „echten Leben“ geschehen kann. Leider ist dies oftmals nicht der Fall. Am deutlichsten wird dies beim Beispiel „Kulturmarketing im Web 2.0“ sichtbar.

In der sehr guten Foliensammlung „Workshop Kulturmarketing2.0“ erklärt Karin Janner an vielen Beispielen, welche Möglichkeiten das Web Museen, Orchestern und Künstlern gibt. Aber genau hier lauern doch die Fallen, in die schon so viele im „Mitmachweb“ gestolpert sind: Copyright und Markenschutz

Es ist sicher eine wunderbare Sache, wenn Videos von Proben und Konzerten auf YouTube gepostet werden. Aber wehe, es wird hier das Stück eines Komponisten gespielt, der bei der GEMA registriert ist.
Es ist sicher eine wunderbare Sache, Fotos einer Ausstellungshalle hochzuladen. Aber wehe man überschreitet damit die engen Grenzen dessen, was die Künstler an Veröffentlichung erlauben.

Als Veranstalter, Kunsthalle oder Museum kann man sich hier sicher mit den Rechteinhabern arrangieren. Aber die Videos auf dem Account der Theaters oder die Flickr-Bilder direkt vom Museum sind Web 1.0 – einer sendet, viele empfangen. (Sogar Skittles und Oberstaufen – zurecht oft als Vorzeige-Homepages im Web 2.0 gepriesen – binden nur die eigenen YouTube-Videos ein – Bei Twitter und Flickr wird UGC über Tags eingebunden)

Um wirklich im Web 2.0 anzukommen, müssen wir es den Konzertbesuchern erlauben, selbstaufgenommene Videos hochzuladen. Wir müssen es den Museumsbesucher erlauben die Ausstellungsstücke zu fotografieren und die aufgenommenen Bilder dann auch verbreiten zu dürfen. Remixe und „ungeahnte Einsatzzwecke“ tun unseren Produkten gut!

Denn nur wenn meine Kunden, Gäste, Besucher anfangen, ungezwungen über mich im Netz zu schreiben kann die Begeisterung entstehen, die echte Viralität erzeugt.

Und genau dies zu fördern ist die große Herausforderung des Marketings im Web 2.0


Dieser Artikel ist der Zweite Teil der Serie: Das eingesperrte Web 2.0“, “Freie Lizenzen als Basis für Social Media & Viralität”, “Das Ende der Kontrolle” und “Beziehungsmarketing gone sour”

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3 Comments

  1. Posted 6. Oktober 2009 at 6:43 | Permalink

    Hallo Stefan, sollten vor allem die Marketing EXPERTEN lesen. Und zu Herzen nehmen. Danke für diesen kritischen Artikel. Reinhard

  2. Posted 6. Oktober 2009 at 11:54 | Permalink

    Der Videolink von Oberstaufen und skittles führt zu deren eigenen youtube-Kanälen. Darin sind natürlich nur Videos von Oberstaufen und skittles selber.
    Bei den Fotos ist skittles offen und bezüglich twitter kann man alles schreiben, was man will. Es wird an der Twitterwall angezeigt. Haben wir beim Almcamp ausprobiert :-))

    • Posted 6. Oktober 2009 at 19:55 | Permalink

      Genau so steht es doch im Artikel, oder?

      Habe ja nicht gesagt, dass Skittles bzw. Oberstaufen konservative Webauftritte sind. Ganz auf das „Senden“ werden wir wohl auch nie verzichten können.

      Trotzdem sollten wir überlegen, wie wir unseren Gästen/Kunden/Besuchern/… Anreize und Möglichkeiten schaffen, dass sie selbst (und nicht wir) die Inhalte erstellen.
      Bei Flickr und Twitter geht das schon – bei Videos eben (noch) nicht (so gut).

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by Hotel Krone. Hotel Krone said: "Die meisten der “professionellen User” nutzen Facebook, Blog und Twitter genau so, wie die Firmenhomepage in den 90ern!" http://is.gd/3ZLXW […]