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Google Chrome OS – Web-Apps auf dem Desktop

(Due to many visitors from Googleblog, I translated this article into english.)

So, nun macht Google endlich, was schon lange erwartet wird: Das neue, revolutionäre, einfach bessere „Google Chrome OS“ ist angekündigt. Warum haut mich das gar nicht vom Hocker?

Vielleicht, weil das was in der offiziellen Ankündigung steht, inzwischen ziemlich ausgelutscht ist: Schneller, besser, Web-orientierter, virenfreier, benutzerfreundlicher – das Übliche.

Soso, die Betriebssysteme, auf denen Webbrowser laufen, wurden angeblich ohne das Internet entwickelt. Das stimmt so nicht ganz. Das Internet ist so tief in Unix/Linux verwurzelt, dass man sagen könnte, das Internet wurde mit Unix zusammen entwickelt.

Sowohl die grafische Benutzeroberfläche als auch Dienste wie das Drucken, oder auch das Protokollieren von Systemmeldungen über das Internetprotokoll erledigt werden – selbst wenn nur ein einziger Computer beteiligt ist. Man kann Server im Internet so ansprechen, als wären sie lokale Festplatten. Man kann Rechner im Internet fernsteuern, als seien sie direkt unter dem Schreibtisch. Ja, an der Benutzerfreundlichkeit kann man noch feilen – aber viele Grundlagen sind schon vorhanden. – „Those who don’t understand UNIX are condemned to reinvent it, poorly.“ – Henry Spencer

Und dass Google selbst ankündigt, dass Chrome OS auf einem Linux-Kernel basiert bestätigt doch, dass viele der Features auch schon in normalem Linux vorhanden sind: Virenfreiheit, Ausrichtung auf das Internet, usw.

Chrome OS ist also nur eine weitere grafische Oberfläche für Linux. Da haben wir neben KDE und Gnome schon etliche Windowmanager – es kommt auf einen weiteren nicht darauf an. Linuxer sind tollerant. Linuxer haben gelernt, mit Alternativen umzugehen.

Der Google Browser – sorry, das Google Betriebssystem ist also im Grunde nichts als ein Webbrowser, der auf einem Abgespeckten Betriebssystem läuft. Das erklärt auch, warum GMail, Google-Docs und andere Web-Anwendungen von Google gestern aus dem Beta-Stadium entlassen wurden: Man brauch diese, um mit Chrome arbeiten zu können.

Aber warum dann überhaupt noch ChromeOS einsetzen? Die Anwendungen laufen auf jedem Rechner mit Webbrowser. Wer seinen kompletten Arbeitsablauf ins Web verlagern und an Google ausliefern will, der kann das auch mit Windows und dem Internet Explorer. Oder mit Linux und dem Firefox. Oder mit Apple MacOS und Safari.

Ach so: Wer ein komplettes Betriebssystem auf seinem Rechner hat, der hat Zugriff auf Alternativen jenseits von Google und sogar jenseits der Cloud. Und ich denke das ist das tatsächliche Ziel hinter Google OS: User Lock In.

Vielleicht tue ich Google damit unrecht, und Chrome OS wird tatsächlich die beste Erfindung seit dem Löffel. Aber momentan sieht das ganze nach einem Monopolisten aus, der seine Stellung auf einen weiteren Bereich ausweiten will.

Dankeschön, nicht mit mir.

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One Comment

  1. Henry
    Posted 8. Juli 2009 at 14:03 | Permalink

    Hallo Steffan,
    da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Folgendes für Boykoteure:
    Anstelle von google search – clusty.com, exalead.de/search
    Anstelle von youtube und google video – vimeo.com dailymotion.com
    Anstelle von chrome – firefox, galeon
    Anstelle von googles Web-Anwendungen – OpenOffice oder lyx

One Trackback

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