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Mit welcher Brennweite fotografierst Du am meisten?

Bei Martin Gommel – Kwerfeldein habe ich im Artikel „Ein neues Objektiv kaufen: 8 feine Tipps“ einen prima Tip gefunden:

Nicht den Brennweitenbereich zu kaufen, der toll wäre, sondern den, den man wirklich braucht und verwendet.

Gute Ansage – nur welche Brennweiten verwende ich denn am meisten? Das eigene Gefühl kann einen da ganz schön täuschen. Das schreit doch förmlich nach einem Script, dass meine Bildersammlung durchsucht und die EXIF-Informationen zur Brennweite auswertet!

Gesagt, getan! (Das Skript wird für die technisch interessierten am Ende des Artikels erklärt)

Auswertung

Folgende Beobachtungen konnte ich bei meiner Fotosammlung von etwas mehr als 11.000 Bildern machen:

  • ca. 3000 Fotos mit einer Brennweite unter 18mm
    Das sind „historische Aufnahmen“ mit der 3-Megapixel-Kompaktkamera oder gelegentliche Aufnahmen mit dem Handy. Für diese Auswertung nicht relevant
  • ca. 1800 Fotos mit Brennweite ab 18mm bis 28mm
    Diese sind mit dem Objektiv entstanden, das mit der Canon 300D im Kit verkauft wurde
  • ca. 4400 Fotos mit Brennweite ab 28mm bis 55mm
    Diese Fotos können mit dem „Kit-Objektiv“ oder mit dem „SpannerSuperzoom“ (s.u.) gemacht worden sein.
  • ca. 1700 Fotos mit Brennweite ab 55mm bis 300mm
    Diese sind mit dem Tamron 28-300 Zoom gemacht worden. Häufungen mit mehr als 100 Aufnahmen sind bei 59mm, 70mm, 77mm, 83mm, 92mm, 100mm, 109mm, und 154mm  zu beobachten. Am „Anschlag“ bei 300mm wurden fast 200 Fotos gemacht.
  • Apropos „Anschlag“: An den Endpunkten der Objektive (also 18mm, 28mm, 55mm und 300mm) wurden über 4700 Fotos gemacht. Bedeutet das, dass ich durch meine Objektive beschränkt werde?
  • Am „unteren Anschlag“ (18mm und 28mm) entstehen fast 3500 Fotos,
    am „oberen Anschlag“ (55mm und 300mm) entstehen nur ca. 1200 Fotos.

Das Ergebniss überrascht mich, denn eigentlich dachte ich, die großen Brennweiten mehr zu benutzen. Aber offensichtlich ist der Weitwinkelbereich doch wichtiger als ich mir das bisher eingestehen wollte.

Beide Objektive decken ungefähr den gleichen Anteil meiner Fotos ab.Verzichten wollte ich auf keines der beiden, und manchmal hat man ausgerechnet das falsche auf der Kamera. Eine Ergänzung zu den vorhandenen Objektiven ist aber wohl eher in den kürzeren Brennweitenbereich sinnvoll. Einerseits aufgrund der obigen Auswertung, andererseits auch weil alles über 300mm mein Budget deutlich sprengt. (Sind aber nicht Optiken unter 18mm auch ganz ordentlich teuer…?)

Aber eine Objektiv-Neuanschaffung steht momentan ja auch gar nicht an…

Das Skript

Wie versprochen, hier mein Lösungsansatz. Läuft unter Linux, müsste aber auch unter MacOS funktionieren, falls es dort auch den „exif“ Befehl gibt.

time LANG=C find . -iname "*.jpg" -exec exif {} ; | grep "Focal Length" | cut -d"|" -f 2 | sort | uniq -c | sort -n

UPDATE 2014:
Habe gerade aus aktuellem Anlass dieses Skript nochmal herausgekramt. Es funktioniert wie erwartet mit minimalen Änderungen auch unter MacOS:

time LANG=C find . -iname "*.jpg" -exec mdls {} ; | grep "FocalLength" | cut -d"=" -f 2 | sort | uniq -c | sort -n

Erklärung:

  • time misst die Zeit – reine Neugier meinerseits – das Skript benötigte für über 11000 Fotos nur 3:45 Minuten.
  • LANG=C stellt die Ausgabe auf englisch um, damit das Script unabhängig von der Systemsprache funktioniert
  • find . -iname „*.jpg“ sucht in aktuellen Verzeichniss und den Unterverzeichnissen nach JPG-Dateien
  • -exec exif {} bzw. -exec mdls {} gibt für jede gefundene Datei die EXIF-Informationen aus
  • grep „Focal Length“ filtert die Zeile mit der Brennweite heraus
  • cut -d“|“ -2 schneidet die reine Millimeterzahl aus
  • sort sortiert die Millimeterangaben damit
  • uniq -c sie zusammenfassen kann und
  • das letzte sort -n die Ausgabe nochmals sortiert

Das Ergebniss:

[...]
     79 34.0 mm
     84 100.0 mm
     84 50.0 mm
     95 84.0 mm
    100 6.3 mm
    102 24.0 mm
    103 37.0 mm
    104 59.0 mm
    105 109.0 mm
    106 38
    109 92.0 mm
    118 77.0 mm
    119 33.0 mm
    120 31.0 mm
[...]

Das sieht nicht schön aus, aber nach einigen Spielereien in OpenOffice.org-Calc (andere nehmen wohl Excel dazu) habe die oben beschriebenen Zahlen ermitteln können.

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One Comment

  1. Posted 19. Mai 2009 at 10:05 | Permalink

    Es freut mich, dass Dir mein Tip weiterhilft 🙂
    Die Idee mit dem Skript ist super! Oft hat man ja nur ein Gefühl dafür, aber so kann man es ganz genau herausfinden.