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Tourismus 3.0 – RFID

Ich stehe RFID-Chips ja sehr skeptisch gegenüber: Momentan werden sie dazu benutzt, um den Warenfluß in großen Unternehmen zu kontrollieren. Gute Anwendung – die kleinen (in der Packung eingelassenen) Chips können berührungslos ausgelesen werden und geben über den Verbleib der Kartons Auskunft.

Problematisch wird es, wenn in allen Waren solche Chips sind (also auch in der Kleidung), und diese beim Kauf nicht deaktiviert werden. Dann könnten Firmen oder Firmenverbünde mit einem entsprechend großen Netz an RFID-Lesestationen Bewegungsprofile von Einzelpersonen erstellen (siehe Artikelreihe über Behavioral Targeting).

Wenn man aber den Spieß umdreht, und den Verbrauchern die Lesegeräte in die Hand gibt, dann kann wirklich neues geschehen: Gegenstände (mit RFID-Chips) können plötzlich zu Signalgeber werden, die entsprechend ausgerüstete Geräte (z.B. Smartphones) mit Informationen versorgen. Der Gast nähert sich einer Sehenswürdigkeit, das Handy empfängt das Signal, lädt die entsprechenden Informationen aus dem Internet und präsentiert sie dem Benutzer – als Text, Video oder gesprochenen Text.

iPhone RFID: object-based media from timo on Vimeo. (via Cherryflava)

Der Gast nähert sich dem Tagungs- oder Wellnessbereich eines Hotels, und bekommt entsprechende Informationen von seinem Handy präsentiert – nach seinen eigenen Wünschen und Vorlieben entsprechend. Denn welche Art von Informationen tatsächlich aufgrund eines „RFID-Stubsers“ abgerufen und vorgetragen werden, das kann der Benutzer einstellen. Der Benutzer sammelt Informationen über seine Umgebung – und nicht umgekehrt. Augmented Reality ist hier das Stichwort.

Auf diese Art lassen sich Informationssysteme entwickeln, die nur wenig in die Privatsphäre der Gäste und Nutzer eindringen, und die trotzdem einen erheblichen Mehrwert bieten. Voraussetzung hierzu ist jedoch, dass Handys serienmäßig mit RFID-Lesern ausgestattet werden. Und wann das der Fall sein wird, weiß wohl niemand so recht…

PS: Ja, im Prinzip ist das oben skizzierte Informationssystem schon mit QR-Codes realisierbar (und in Japan wohl auch schon recht gut etabliert) – jedoch ist bei QR-Codes die Mitarbeit des Benutzers sehr viel mehr notwendig als bei einer RFID-basierten Lösung. Der Nutzer muss den QR-Code sehen, als potentiell interessant erkennen, den Code mit dem Handy einlesen. Ein RFID-Chip gibt sich seinem Empfänger ohne weiteres zu erkennen, das Empfangsgerät kann die Informationen abrufen und mit den Voreinstellungen des Nutzers vergleichen. Nur wenn die Informationen in das vom Nutzer vorgegebene Raster fallen, werden diese auch präsentiert. Der Prozess wäre deutlich länger unterhalb der Bewustseinsschwelle des Empfängers.

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