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Warum hat niemand etwas dagegen getan?

Meine Generation hat den Krieg bzw. die Nazi-Herrschaft in Deutschland nicht mehr erlebt. Selbst unsere Eltern sind im Nachkriegsdeutschland geboren und aufgewachsen. Die „Machtergreifung“ Hitlers haben wir also nur aus dem Geschichtsunterricht kennengelernt. Und die große Frage, die im Klassenzimmer immer mitschwang, und manchmal auch fassungslos gestellt wurde, war:

Warum hat niemand etwas dagegen getan?

Und dann hat unser Geschichtslehrer nach Erklärungen gesucht, die wir verstehen konnten, und mit denen wir unsere Großeltern in Schutz nehmen konnten. Die Beschneidung der Rechte der Bürger und des Parlamentes ging zu unauffällig voran. Schritt für Schritt. Keiner dachte, dass die Regierung ihre Rechte mißbrauchen würde. Keiner (lange Zeit nicht einmal die Verfolgten selbst) glaubte dass unbescholltene Bürger etwas zu befürchten hätten.

Heute leben wir in eine „gefestigten Demokratie“, die höchstens aus einer recht diffusen Region süd-östlich von Europa und nord-westlich von Australien bedroht wird.
Und trotzdem bin ich mit meinem Sohn zum „Zug der Erinnerung“ gegangen und habe mit Ihm die Schiksale der Deportieren Kinder betrachtet, studiert und fasssungslos betrauert. Warum ist es wichtig, dass einer, der mit der Verfolgung, Deportation und Ermordung im Dritten Reich absolut gar nichts mehr zu tun hat, seinen Kindern genau diesen Teil der Geschichte nahe bringt?

Damit so etwas nie wieder passiert!

Nur wenn die Gesellschaft sich an die Greueltaten der vergangenen Generationen erinnert, kann diese Gesellschaft verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt. Zumindest sollte man dies annehmen, hoffen.

Es geht nicht mehr um Schuld und Sühne. Es geht nicht mehr um Opfer und Täter – höchstens vordergründig. Aber hauptsächlich geht es um das Erinnern, das Verstehen und das Verhindern.

Wehret den Anfängen!

Und in diesem Zusammenhang ist es dann auch zu sehen, wenn sich in manchen Bereichen des Internets Stimmen erheben, die Freiheit fordern. Die grundlegenden Freiheiten, die in einem Regime als erstes verloren gehen. Das Recht, seine Meinung frei äußern zu können, ohne Angst vor juristischer Verfolgung zu haben. Egal, ob aufgrund von Strafgesetzen oder aufgrund von einem absurden Abmahnwesen. Das Recht, seine Regierung kritisieren zu dürfen, ohne eine Hausdurchsuchung zu riskieren. Das Recht, momentanen und künftigen Regierungen zu mißtrauen – und deshalb keiner Regierung zu große Rechte zu gewähren.

Und wenn es unserer Generation nicht gelingt, diese (und andere) Grundrechte für unsere Kinder und Enkel zu erhalten, dann müssen wir uns wohl zu Recht der Frage unserer Nachkommen stellen:

Warum habt ihr nichts dagegen getan?

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