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Linux ist eben kein System für Bastler…

lukUHLuss hat gerade Linux von seinem Arbeitsplatzrechner verbannt – und meiner Meinung nach sogar aus nachvollziehbaren Gründen: Wenn man World of Warcraft spielen will, musikalisch in den fortgeschrittenen Amateurbereich vordringt oder Videos bearbeiten will, dann sieht es unter Linux nicht so rosig aus. Alles klar, kein Problem, mit Windows fährt man da einfach besser.

Ich bin im Gegensatz zu lukUHLuss jedoch schon seit langem der Meinung, dass Linux bereit für den Desktop ist. (Den Artikel habe ich vor fast fünf Jahren geschrieben)

Auch wenn Linux noch ein wenig brauchen wird, um auch für den Spiele/Multimedia-Desktop die erste Wahl zu sein, bin ich inzwischen sogar so weit, dass ich sage: Wer Windows benutzt, muss mehr Zeit dafür haben, um an der Konfiguration herumzuspielen als man das bei Linux braucht. Und vor allem: Wenn ich unter Linux etwas einstelle, dann bleibt diese Einstellung auch so, wie ich das will.

Momentan habe ich mit zwei Windows-Rechnern zu tun, bei denen das eben nicht der Fall ist. Beim einen wird permanent das Fax zum Standartdrucker erklärt, und beim anderen behauptet die Fotobuch-Software, sie hätte keine Internetverbindung, obwohl der Rechner wunderbar ins Netz kommt (wahrscheinlich ein falsch gedrückter Knopf bei der „Personal Firewall“. Und zur Krönung traf ich dann heute noch einen Berater, der seinem Kunden wegen Virenangst die wichtige Excel-Tabelle nicht heute geben kann, sondern erst nach dem Virenscan sendet.

Mit solchen Dingen brauche ich mich unter Linux doch gar nicht beschäftigen! Ich will einfach ein System, das funktioniert. Ich will mich nicht um die ganzen technischen Probleme und Einzelheiten kümmern. Ich will mit meinem PC arbeiten. Und deshalb benutze ich hauptsächlich Linux.

(Und wenn ich dann tatsächlich Basteln will, dann geht das unter Linux auch noch viel besser 🙂

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3 Comments

  1. Posted 19. November 2008 at 23:05 | Permalink

    Hm. Interessant. Das könnte 1:1 aus meiner Feder stammen – aber eben mit umgekehrtem Linux und Windows… 😉

    Also als Server möchte ich definitiv nichts anderes. Da kommt mir kein MS ran. Eher geht das berühmte Kamel…

    Aber auf dem Desktop ist meine Erfahrung einfach andersrum. Also dass man Windows installiert – läuft. Treiber von den Websites der Hersteller holen – läuft. Programme installieren – läuft. Bei Linux aber? Gut, wenigstens muss man inzwischen nicht mehr so viel selbst kompilieren wie früher, als das meiste noch in Sourcen ausgeliefert wurde. Außer, wenn die Binary wieder mal mit oder besser gesagt ohne einem bestimmten Flag kompiliert wurde, das man aber dummerweise genau bei sich bräuchte. Dann gehts auch schon los mit dem Stress…

    Ok, diese Erfahrung bezieht sich bei mir jetzt eher auf Server (wer ist eigentlich so saudumm, eine Mail-Server-Binary so auszuliefern, dass SMTP-AUTH standardmässig deaktiviert ist und die Kiste blitzschnell zur Spam-Schleuder wird – ging mir mit meinem ersten Root-Server so und keines der ungefähr 50 Tutorials und Howtos, die ich gelesen habe, schafften es, mir verständlich zu machen, warum ich es nicht mit diesem Feature kompiliert bekomme). Denn die diversen verschiedenen Distributionen, von denen viele ihre eigene Vorstellung davon zu haben scheinen, wo ihre Konfig-Datei zu liegen hat; die verschiedenen Programme, allein schon Mailserver und Popper etc., wie viele Wochen meines Lebens habe ich eigentlich schon mit dem Versuch verbracht, irgendwelche fertig aufgesetzt ausgelieferten Root-Server meiner Kunden zu verstehen, weil Sendmail unter Debian halt nun mal da und dort konfiguriert werden will, Sendmail unter SuSE aber eben wieder woanders und wenn da standardnmässig Postfix statt Sendmail drauf ist und noch dazu Dovecat statt uw-imapd oder sonst eine andere Komponente in dieser Kette…? Ich bin wahnsinnig geworden, habe sämtliche Tutorials verflucht, weil das bei mir immer ganz anders ausgesehen hat als bei denen und ich erst beim 75sten Suchergebnis endlich einen Tipp gefunden hab, der mir weiterhalf.

    DAS passiert Dir unter Windows jedenfalls nicht. Kann sein, dass mal die Hardware etwas eigen ist. Oder das manche Sachen einfach gar nicht laufen. Aber es sind monolithische Programm, die überwiegend gut dokumentiert sind – und es gibt unter Windows einfach nur eine „Richtlinie“, wo was zu liegen hat, basta. Da musst Du nicht erst suchen, ob da jetzt was in /etc/haumichtot, /usr/haumichtot, /opt/haumichtot oder doch eher /var/lib/haumichtot oder so zu finden ist. Wenn sich einer auf einer Distribution auskennt, dann passts ja auch – aber dass man bei einer anderen Distribution oft sofort wieder wie der Ochs vorm Berg dasteht und auch nicht mehr rumpfuschen kann als ein Laie, darin sehe ich immer noch eines der größten Probleme von Linux. Was bei Desktops zugegeben nicht soooo schlimm ist, aber auch da kann man wahnsinnig werden, wenn man noch kein Profi ist.

    Jedenfalls: ich freu mich ja dennoch auf die weitere Entwicklung. Server-seitig bin ich ja stets halbwegs auf der Höhe. Und deswegen werd ich Linux auf jeden Fall auf dem Desktop immer wieder eine Chance geben. Ich war nur aktuell so davon enttäuscht, weil ich jetzt wirklich 7 Jahre seit meinem letzten Linux-Desktop gewartet habe und dachte, das würde inzwischen „geschmeidiger“ funktionieren. Und in der Tat, es ist ein himmelweiter Unterschied zu damals. Und wenn ich keine Musik machen oder mit meiner Kiste heftig zocken sondern einfach nur Arbeiten und Internetten würde, dann wäre ich auch schon umgestiegen. So aber – wie gesagt… Schade…

  2. Posted 20. November 2008 at 17:36 | Permalink

    „Hm. Interessant. Das könnte 1:1 aus meiner Feder stammen – aber eben mit umgekehrtem Linux und Windows… ;)“

    Was meinst Du, wie oft ich mir das mit „Ich nehme Windows, weil ich arbeiten will“ schon anhören musste. Und deshalb „genieße“ ich es (ganz ohne Schadenfreude) so sehr, dass ich von den ganzen „Windows-Problemen“ berschont bin. Zumindest dort, wo ich es mir aussuchen kann.

    🙂

  3. Robster
    Posted 20. November 2008 at 21:25 | Permalink

    Ich hatte vor kurzem das Problem, das mein alter Laptop den Geist aufgegeben hat, als ich unter XP das SP3 installieren wollte. Die Leistung reichte einfach nicht mehr aus.
    Also hab ich kurzerhand Ubuntu installiert. Zum Arbeiten war alles bereits dabei, die nötige Software für meine Arbeit ist sowieso meist Freeware und somit auch meist für Linux verfügbar, also auch kein Problem.
    Den Rest hab ich „zur Laufzeit“ gelöst. Egal ob Dual-Monitor oder UMTS-Karte, letztendlich lief alles … man musste halt schon etwas Ahnung von der Materie haben und sich die Mühe machen die Supportseiten zu durchforsten.

    Am Ende waren sogar meine Kollegen etwas neidisch, da die Arbeit „flüssiger“ lief und ich weniger Probleme mit irgendwelchen Programmen und Einstellungen hatte als sie. Als ich dann noch an den Grafikeffekten rumgestellt hatte und Wackelnde Fenster bei der nächsten Präsentation hatte, war die Arbeit Nebensache …

    Fazit: Mit Ubuntu kann man durchaus gute Standard-Arbeit leisten, gehts drüber hinaus, ist Geduld und Forscherdrang gefragt. Danach, ist Windows nur noch ein unnötige Zweitsystem und man fragt sich warum man eigentlich mit weniger zufrieden war.
    Leider kam dann irgendwann ein Kernelupdate und hat mir die Festplatte zerschossen! Die Sicherung war leider dann auch nicht mehr einspielbar und die Zeit alles nochmal aufzusetzen hatte ich nicht. Deshalb arbeite ich jetzt wieder mit Windows.