Stefan.Waidele.info

Wenn die Benutzer Firefox nicht mehr trauen können, ist Firefox tot…

(via ProLinux.de: Mozilla-Chefin erklärt Pläne zur Datensammlung)

Die Mozilla-Vorsitzende Mitchell Baker hat einige Beispiele gegeben, welche Daten Firefox sammeln könnte.

  • Die Datenmenge, die bestimmte Websites ausliefern.
  • Popularität von Websites (in Form von Visits und Pagehits)
  • Download Statistiken

MaMrs. Baker schwingt sich sogar zum Retter des freien Internets auf: Ohne diese Daten wären die Vorgänge im Internet nicht zu verstehen. „Geheimnisstuerische Firmen“ erhebten diese bereits (stimmt). Man bräuchte sie aber öffentlich.

Welche Daten will Mozilla also da erheben? Wem gehören die Daten?

Darüber wird ja immer wieder diskutiert: Gehören meine „Bewegungsdaten“ im Internet mir – oder den Websites auf denen ich mich bewege?

Als Nutzer beanspruche ich meine Browser-History, denn diese beschreibt, was ich getan habe. Als Site-Betreiber beanspruche ich meine Server-Statistiken, denn das ist es, was ich ausgeliefert habe. Der Nutzer kann mit seinen Daten nicht auf die Popularität der Website schließen, und der Websitebetreiber kann den Benutzer nur nach den Aufrufen auf seiner eigenen Site beurteilen.

Egal wie man diese Frage beantwortet: Es versuchen sich weitere „Mitspieler“ zwischen diese beiden Positionen zu drängen. Da ist ganz offensichtlich Google mit Google Analytics und Chrome. Auch „Popularitätsdienste“ wie StumbleUpon oder Besucherzähler wie Blogoscoop, die jeden Seitenaufruf an ihre Server melden sammeln kräftig Daten. Was Microsoft mit dem InternetExplorer macht, weiß ich nicht.

Und nun formuliert auch noch Mozilla Begehrlichkeiten. (Als Robert Basic im November sein Mißtrauen gegen die Mozilla Foundation formulierte, tat ich es noch als FUD ab. Heute nicht mehr)

Man-in-the-Middle-Datensammler

Diese „Man-in-the-Middle-Datensammler“ füllen Ihre Festplatten mit Daten, die dem Nutzer gehören. Und die dem Sitebetreiber gehören. Sie sammeln von vielen Nutzern und vielen Sites.

Wer auch immer diese Daten hat (auch wenn es „die Öffentlichkeit“ sein sollte) ist der Big Brother von Nutzern und Seitenbetreibern. Anfangs würden die Daten bestaunt werden, wenn man nicht mehr auf geschätzte Daten zurückgreifen müsste, um Websites miteinander zu vergleichen. Man könnte tatsächliche (oder eher: hochgerechnete) Reichweite von Webseiten ablesen.

Aber wer sind denn die Seitenbetreiber der Zukunft? Im Web 2.0, im Read-Write-Web oder wie auch immer man es nennt, wird die Trennung zwischen Lesern und Schreibern aufgehoben. Die Grenze zwischen Betreibern und Benutzern einer Plattform verschwimmt. Und wer hat trotzdem alle Daten? Die „Man-in-the-Middle-Datensammler“!

Das ist es, was Google Analytics aus Datenschutz-Sicht so gefährlich macht. Und deshalb sollte kein Browserhersteller solche Daten erheben. Auch wenn als Ziel die freie Wissenserweiterung formuliert wird. Es wäre wohl bei manchen auch eine Gewissenserweiterung notwendig.

Oder wie OliverMMS es fomuliert: Die Frage sollte nicht sein, ob es nützlich ist, sondern ob es notwendig ist.

Oder eben: „If the user can’t trust firefox, firefox is dead…

PS: Der Blogoscoop-Zähler verschwindet hiermit aus meinem Blog.

This entry was posted in Behavioral Targeting, Business, CDR, Freedom, Linux, Opinons, Tech-Stuff. Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post. Both comments and trackbacks are currently closed.

5 Comments

  1. Posted 30. September 2008 at 22:00 | Permalink

    Dass Du beim „Ausmisten“ gerade bei blogoscoop anfängst, ist schon witzig: Du triffst damit den kleinsten und harmlosesten Player in diesem Spiel.

    Meine Vermutung ist: Viele sammeln Daten, von denen sie noch gar nicht wissen, ob und wozu sie sie später verwenden können.

    Kann sein, dass ich mich täusche und dass alles unterschätze. Kann aber auch sein, dass Du der Schwarzmaler bist. Erst die Zukunft wird es uns zeigen…

  2. Jack in the box
    Posted 1. Oktober 2008 at 2:03 | Permalink

    @Matthias

    Datenvermeidung ist der einzige wirkliche Schutz. Im Falle von Mozilla ist das sogar noch viel wichtiger als bei allen anderen, serverseitigen Diensten weil Firefox nun mal das fenster zum Internet ist und damit die Vermittlerrolle übernimmt.
    Durch diesen Vermittler wandert nun mal das Internet und wenn genau dort Daten gesammelt werden, dann entspricht das faktisch dem sammeln sämtlicher Internet-Aktivitäten eines Anwenders.

    Das diese Daten *momentan‘ womöglich nicht allumfassend verwendet werden, ist dabei nebensächlich. Wurden die Daten einmal erhoben, lassen sie sich verwenden und das mit diesen eine Unmenge an Geld zu machen ist, zeigt das herangezogene facebook-Beispiel nur zu gut.

  3. Posted 1. Oktober 2008 at 8:19 | Permalink

    @Matthias: Ich sehe mich bei diesem Thema auch eher als Pessimisten. Aber Datensammeln wird nicht besser, nur weil es „ziellos“ ist.

    Und Blogoscoop deshalb, weil es das ist, was ich im Blog hatte. Ich habe auch nicht mit Blogoscoop angefangen. Angefangen habe ich vor einer ganzen Weile mit Google, als ich Analytics nach einem Monat testen rauswarf (weil die Ergebnisse ZU GUT waren), und damit, dass Adsense nur dann angezeigt wird, wenn der Besucher eh‘ über Google reinkommt.

    Und bei meinem Browser habe ich angefangen, als ich vor langer Zeit NoScript installiert habe.

    Somit ist das Verschwinden des Blogoscoop-Buttons nur ein kleiner weiterer Schritt.

    (Amazon kommt als nächstes. Nach dem Frühstück…)

  4. Posted 1. Oktober 2008 at 8:20 | Permalink

    @Jack in the box: Es geht mir nicht um das Geld, das damit gemacht wird. Geldverdienen ist keine Schande.

    Es geht um die steigende Überwachung von allen Seiten.

  5. Posted 1. Oktober 2008 at 9:34 | Permalink

    @Jack in the box: Meines Wissens nach macht Facebook noch keine „Unmengen“ an Geld, obwohl sie auf einem riesigen Datenpool sitzen. So einfach also das Datensammeln sein kann, so schwierig ist bisweilen die Monetarisierung.

One Trackback

  1. By Basic Thinking Blog | Mozilla und die Daten on 30. September 2008 at 23:17

    […] Stefan Weidele Werbung Artikelzusatzinfos 1. Tags: daten, firefox, mozilla 2. weitere Artikel […]