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Brainstorming: Streaming 3D Games

Robert Basic hat in seinem Artikel das Thema „Gestreamte Spiele“ angeschnitten und damit einiges an Reaktionen hervorgerufen, die eigentlich alle in Richtung „Geht nicht!“ gehen.

Stimmt, Leute – ihr habt alle recht: Das geht nicht und wird nie gehen. Genauso wenig wie Filme oder gar Fernsehen über’s Internet. Oder Internetsurfen auf’m Handy. Alles zu langsam und zu teuer. Lasst uns Heim gehen.

Ach ja: Ich bin dem Link gefolgt. Für mich sieht das so aus, als würde des Gamers PC das Spiel ganz exakt für eben diesen Gamer streamen. Womit sich die meisten Einwände von oben erledigt haben dürften, oder?

Aber betrachten wir die Sache doch einmal so, wie sie mißverstanden wurde: Klar gibt es da im Moment sicher eine Menge Probleme, für die keine gute Lösung offensichtlich ist. Speziell „Lag“ ist wohl das schlimmste.

Wer gewinnt?

Wenn man aber bedenkt, wer bei der Sache gewinnt und wer verliert, dann wird vielleicht doch ein Schuh draus.

Gewinner wären zunächst die Hersteller der Server und der Spiele – wahrscheinlich in dieser Reihenfolge. 3D-Spiele plötzlich auf dem Office-PC zocken zu können, das wird wohl den Markt für diese Spiele enorm vergrößern. Eingefleischte Spieler würden zwar immer noch entsprechend Grafikleistung in den eigenen Computer stecken, aber „Casual Players“ könnten sich durchaus einmal an 3D-Szenarien wagen.

Verlieren also die Hersteller von leistungsfähigen Grafikkarten? Wohl kaum, denn auch die Server wollen mit entsprechenden GPUs ausgestattet werden. Und wenn das neue Angebot tatsächlich mehr Kunden für 3D-Spiele gewinnen kann, dann sind sowohl die Spielehersteller als auch die Hersteller der Grafikchips glücklich.

Geschäftsmodell Schnupperversion statt Subscirption

Hierbei wären auch Geschäftsmodelle denkbar, die per Stream eine „Schnupperversion“ des eigentlichen Spiels anbieten, welche dann bei Interesse (im Bundle mit einer entsprechenden Grafikkarte?) gekauft werden kann.

Raubkopien?

Wenn das Spiel komplett auf dem Server der Firma läuft, erledigt sich das Problem von illegalen Kopien von selbst. Zumindest auf der Ebene der Gelegenheits- und Schulhofkopierer. „Die Industrie“ behauptet ja schon lange, dass hierdurch enorme Schäden entstünden – da könnte man ja auch etwas für eine Lösung investieren.

Casual Games – Legacy Games

Außerdem müssen es ja nicht gleich die aktuellen Top-Titel sein. Ein Halo oder was auch immer dazu entworfen wird, den Konsolenumsatz anzuheizen, wird wohl nicht so schnell gestreamt werden können. Aber den Stand von 1996 mit Tomb Raider sollte sich doch bald erreichen lassen. Wenn man bedenkt, dass das momentane Angebot für Casual Gamers noch in den 80ern steckt, ist eine gestreamte Lara Croft doch ein gewaltiger Fortschritt.

MMORPG – Flexibilität vs. Grafikqualität

Bei MMPORPGs liegt die technische Herausforderung in der Übermittlung der Positions- und Grafikdaten (3D-Modelle und Texturen). Wärend klassische Vertreter des Genre (z.B. World of Warcraft) das Problem dadurch entschärfen, dass sie die Modelle und Texturen auf CD/DVD packen, und auf jedem Rechner installieren. Hierdurch ist das Aussehen der Spielfiguren und „der Welt“ jedoch festgelegt. Second Life hingegen setzt auf Flexibilität und überträgt die gesamten Bestandteile der Umgebung und der Figuren über das Netz. Hierdurch entsteht eine enorme Flexibilität, mit dem Preis des Geschwindigkeitsverlustes bzw. einer schlechteren Grafikqualität.

Eine typische SL-Textur hat 256×256 oder 512×512 Pixel, die übertragen werden müssen, bevor die entsprechende Oberfläche gezeichnet werden kann. Eine typische SL-Szenerie hat jedoch sehr viele (Wer hat Zahlen?) solcher Texturen. Obwohl Caching eingesetzt wird, kann es schon eine Weile dauern, bis man die Umgebung voll wahrnimmt.

Bei gestreamten Spielen wären die Positions- und Texturdaten genau ein mal vorhanden, und zwar auf dem Server.

Auflösung?

Es muss ja nicht gleich Full-HD sein. Für den Anfang wäre das Publikum sicher auch mit 800×600 oder 1024×768 zufrieden. Für die im Artikel erwähnten UMPC als Dumb-Client wäre ja sogar noch weniger geeignet.

Clustering auf Objektebene

Wenn man davon ausgeht, dass sich Objekte nicht (oder nur vorhersehbar) verändern, dann könnte man auch auf diese Art ein Puzzle zusammensetzen. Die Hauptsteuerung frägt die Objekte: „Wie siehst Du aus diesem Winkel und dieser Entfernung aus?“ und die Objekte antworten mit einer (komprimierten?) Grafik, welche die Steuerung an die entsprechenden Stelle „klebt“. Bilder aus komprimierten Teilstücken kann man nicht streamen? Da hat die nächste Generation von Informatikern wenigstens ein Ziel 🙂

An Teilproblemem wird schon gearbeitet

Wenn Streaming von HD-Videos klappt (woran sicher schon gearbeitet wird), dann ist ein Problem schon gelöst. Fehlt „nur noch“ die Komprimierung in Echtzeit und das Feedback zur Spielsteuerung. Sicher nicht gerade das Einfachste an der Sache – aber immerhin.

Fazit?

Warum soll es unmöglich sein, nur weil wir es uns heute nicht vorstellen können?

I think there is a world market for maybe five computers.
— Thomas Watson, chairman of IBM, 1943

Ich sage nicht, dass es möglich ist. Vielleicht bin ich mit den hier genannten Ideen komplett auf dem Holzweg. Aber man sollte nicht zu schnell „unmöglich“ rufen.

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  1. […] Stefan macht sich um einen Net-Gaming PC den Kopf. Artikelzusatzinfos 1. Tags: asus eee, crysis, terminalanwendungen 2. weitere Artikel […]

  2. […] actionlastig. Offenbar > scheuen die Autoren solcher Studien die (nicht vorhandenen) > Ergebnisse eines solchen Vergleichs… Wenn die Ergebnisse nicht mehr zu leugnen sind, dann fällt uns gleich […]