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Own-Hotel.com – Top, Flopp oder was?

Es geistert schon eine Weile durch die Blogs, aber so langsam scheint es ernst zu werden: Own-Hotel.com bietet wahrscheinlich schon bald die Möglichkeit „Hoteldirektor“ zu werden. Also einer von 20.000 Hoteldirektoren. Geführt werden soll das Hotel dann Basisdemokratisch: Jeder hat eine Stimme – „Wisdom of the Crowds“ bzw. „Die Weisheit der Vielen“ ist das Zauberwort.

Die Informationen sind noch spärlich, aber folgende Punkte sollte man beachten nud abklären sollte, bevor das Projekt richtig startet:

  • Direktoren oder Investoren? – In erster Linie scheint das Projekt Investoren bzw. Gesellschafter zu suchen. Warum sonst muss man sich vor 99€ eine „Eintrittskarte“ für das Projekt kaufen? Klar hilft es, wenn diejenigen, die abstimmen, dies nicht ganz ohne eigenes Interesse machen. Ist nicht schlecht, sollte aber auch so gesagt werden. Momentan liest sich das ganze mehr als „Money of the Crowd“ als „Wisdom of the Crowd“.
  • Was bekommen die Investoren zurück? – Also, jeder der 20.000 tätigt eine Einlage in Höhe von 99€ und gibt auch ein gutes Stück Zeit, Arbeit und Know-How. Und was bekommt man dafür? „Die Möglichkeit, günstig im eigenen Hotel Urlaub zu machen“ ist da noch nicht ganz der große Anreiz. Es sollte etwas von „Gewinnausschüttung“ erwähnt werden, aber auch die wohl recht niedrige Wahrscheinlichkeit, dass diese tatsächlich zum Tragen kommen wird. Wenn ich meine 99€ zur Bank trage, bekomme ich von denen ein Paar Cent Zinsen.
  • Aber 20.000 x 99 € sind doch eine Menge Geld! – Nein. Es sind einfach nur knappe 2 Millionen. Ich kaufe nicht täglich Hotels, aber für ein 2-Sterne-Haus hier in Neuenburg muss man mit ca. 1 Million rechnen. Das sind dann 16 Zimmer. Keine „Top-Tourismus-Destination“. Kein „Urlaubshotel“.
  • Wer verdient dann an der Sache? – Gute Frage. In erster Linie der Verkäufer des Hotels. Als nächstes diejenigen, die im Hotel arbeiten werden: Die Geschäftsleitung und die Angestellten. Es sei ihnen gegönnt, aber dies ist kein „neuartiges Konzept„. Ebenfalls bringt das Hotel all denen Einnahmen, die irgendwelche Leistungen mit dem Hotel abrechnen können. Also der Anwalt, der die Verträge überprüft, der Steuerberater, der die Buchhaltung macht, der Anbieter der Hotelsoftware und der Restaurantkassen, der Dienstleister, der die Webseiten macht, der Designer, der die CI entwirft, … Im Gegensatz zu den Geld-, Ideen- und Know-How Gebern (der „Crowd“) werden diese nicht auf ihre „Entlohnung“ warten müssen.
  • Aber gerade Beratungskosten werden durch „Wisdon of the Crowd“ ja eingespart! – Jein. Einen Betriebsberater braucht es für das Projekt nicht – man will ja der Masse und nicht den Beratern vertrauen. In dem Moment jedoch, wo jemand tatsächlich „den Kopf hinhalten muss“ oder mehr als nebenbei Arbeit verrichtet, will dieser auch dafür entlohnt werden. Das ist vollkommen berrechtigt, muss aber jedem bewusst sein, der Geld beisteuert.
  • Aber man kann ja auch anders von Web 2.0 profitieren! – Stimmt. Und genau deshalb werden wohl doch viele bei der Sache mitmachen. Wenn man den Hunderter verschmerzen kann, dann könnte sich das Projekt zu einem hervorragenden Austauschplattform für engagierte Gastronomen und Urlauber werden. Da haben wir wohl alle schon Geld für unsinnigeres Ausgegeben, oder?
  • Wir das Own-Hotel ein Erfolg? – Kann gut sein. Wenn tatsächlich alle Anteile verkauft werden, dann hat das Hotel 20.000 überzeugte PR-Agenten, Buchungs-Assistenten, Trend-Scouts und „Evangelists“. Wenn jeder auch nur einen Freund oder Verwandten ins Hotel schickt, dann ist da jaganz schön was los.
  • Die Lizenzfrage! – Bisher ist im Impressum von Own-Hotel.com folgendes zu lesen: „Das Copyright für den gesamten Inhalt liegt bei Stephan Waltl (microgast). Alle Rechte vorbehalten.“ Sorry, so geht’s nicht. Wenn ich von vielen Input will, dann muss das Ergebniss unter eine freie Lizenz. Die Lösungen, die ich für Own-Hotel mitentwickle, will ich auch selbst nutzen können. CC-BY-SA ist wohl das mindeste. (Ich weiß: Die jetztige Webseite beinhaltet ja noch nicht die eigentliche Diskussion und Planung. Das kann Stephan gerne den Daumen draufhalten. Aber wenn’s losgeht muss sich das ändern.

So, dass waren meine ersten Gedanken zum noch ganz jungen Projekt. Wenn das Ding richtig losgeht, werde ich sicher nochmal drüber schreiben. Und um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: Ich denke, das Projekt hat das Potential, „Top“ zu werden.

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3 Comments

  1. Posted 10. Juni 2008 at 5:47 | Permalink

    Frühmorgens um 5:00 kommentiert es sich am leichtesten 🙂
    – Was kostet ein Hotel? Natürlich sind wir mit 2 Mio noch weit vom Preis eines Hotels entfernt – ganz zu schweigen von den wahrscheinlich erforderlichen Umbaukosten. Aber man sollte bedenken, dass aktuell eine durchschnittliche Eigenkapitalquote (z.B.: in Salzburg) bei ca. 6% (!!!) liegt. Ich glaube mit unserem Konzept und dem finanziellen Background, sollte die Verhandlungsbasis mit einer Bank nicht die schlechtesten sein.
    – Somit ergibt sich die Antwort auf die Frage: „Wer verdient an der Sache?“. In erster Linie der Verkäufer – also eine Bank! Das unternehmerische Risiko liegt dann zu 100% bei der Betreiber GmbH. Die Direktoren aus dem Internet sind bei Fehlern nicht haftbar und schad- und klaglos zu halten. Immer wenn ein Betrieb funktioniert werden Mitarbeiter, Lieferanten und auch die Betreiber selbst profitieren. Viele der Einnahmen aus dem Betrieb müssen aber ohnehin wieder in Mitarbeiter, bauliche Substanz usw. investiert werden.
    – Laßt mir meinen Daumen 🙂

  2. Posted 10. Juni 2008 at 8:42 | Permalink

    Bis wann kann man rechnen, dass es wirklich losgeht?

  3. Posted 20. Juni 2008 at 19:00 | Permalink

    unser Stichtag ist der 6.9.08 … da wird dann genau gezählt wieviele User sich kostenlos registriert haben!

One Trackback

  1. […] Nostalgie im Feedreader – gerade bin ich über einen alten Blog-Eintrag von mir gestolpert. Und zwar den vom 9. Juni 2008 über Own-Hotel.com. […]