Achtung: Wer die April-c’t noch unvoreingenommen lesen will, sollte dies tun, bevor er diesen Artikel liest!
Das Schöne bei der Beschäftigung mit Computern ist, dass man sich ständig entlang der dünnen Linie zwischen Wahn und Wirklichkeit bewegt. So sind eigentlich in jeder Ausgabe jeder Computerzeitschrift einige Artikel, die man ohne weiteres für Aprilscherze halten könnte.
Die Ausgabe 8 der c’t wurde von mir jedoch mit Spannung erwartet – befindet sich darin doch der “offizielle Aprilscherz” Deutschlands – zumindest des technischen Teils der Republik. Und wie im letzten Jahr, buhlen mehrere Artikel um den Titel “c’t Aprilscherz 2008″. Hier die Nominierten:
- Seite 30: Musikmesse – Partituren aus dem Audiosignal (Mein ganz heißer Favorit! Wenn ein Artikel schon mit den Worten beginnt: “Was lange unmöglich galt,…”
- Seite 39: Unschuldig unter Verdacht: Verwechselte IP-Adresse (Hatte ich aber schon zuvor im Lawblog gelesen. Der Provider und die Staatsanwaltschaft dachten sich aber sicher: “April, April” – gar nicht lustig!)
- Seite 66: Linux-Distribution für den Windows-Desktop (Hätte auch das Zeug zum Aprilscherz, wie die unzähligen Meldungen, dass Gates eine eigene Linux-Distribution herausgibt. AndLinux ist aber real – ich habe es vor einer Woche verzweifelt gesucht – unter den falschen Begriffen: Linux4Windows, LinuxForWindows, Ubuntu4Windows, UbuntuForWindows, Lin4Win,… Also nochmal: Das Ding heisst andLinux
Das alles hat zwar reichlich Potential – dieses verblasst jedoch, wenn man den echten “c’t Aprilscherz 2008″ dann tatsächlich gefunden hat:
Windows klickt für den Nutzer!
Ähnlich dem “Elektronischen Mönch” von Douglas Adams, der gebaut wurde, um für uns all das zu glauben, was unser Videorekorder für uns anschaut.
Windows soll uns also die Meldungen wegklicken, die wir laut Jakob Nielsen eigentlich gar nicht sehen sollten.
Zu erkennen war dieser Aprilscherz wie immer an:
- Der Länge des Artikels – ca. zwei Seiten, nicht zu lang und nicht zu kurz
- Etwas Geheimes/bisher Unmögliches wird aufgedeckt
- Alltagsphänomäne werden einfach erklärt (“Was hast Du mit meinem Computer gemacht?”)
- Einem c’t-Tool zum Download, damit Heise den Erfolg auch messen kann.
Wobei dieser Aprilscherz für meinen Geschmack etwas zu nahe an dem liegt, was wir Microsoft doch tatsächlich zutrauen würden, oder?