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Ein Abend im Mädchengymnasium

Als mein Freund Ralf und ich vor knapp zwanzig Jahren mit dem Zug nach Freiburg fuhren, um dort die Stadt unsicher zu machen, kamen wir regelmäßig an einem Gebäude vorbei, dass uns als junge Männer (wer sagt da „Bubbies“?) faszinierte: Das Mädchengymnasium St. Ursula!

Tausend Mädchen, keine Jungs, keine Frage: Auf diese Schule wollten wir gehen.

Dieser Wunschtraum war aber 500m weiter wieder vergessen. Unsere Freundinnen und inzwischen Frauen haben wir dann doch woanders kennengelernt 🙂

Warum ich darüber heute schreibe? Das ist keine Vergangenheitsbewältigung, sondern Information für die Zukunft – schließlich haben wir diesen Sommer ein Mädchen in der fünften Klasse.

Der Informationsabend war interresant, wobei vieles eigentlich nur trockene Info war, die man so oder ähnlich schonmal gehört hatte. Herausragend war jedoch der Beitrag einer Schülerin, die offen über die Auswirkungen des Jungenmangels auf pubertierende Mädchen sprach und auch das falsche Vorurteil ansprach, alle Besucherinnen eines Mädchengymnasiums seien lesbisch. Dieser Beitrag, der sich hauptsächlich über den Zusammenhalt sowie auf die Förderung von Schülerinnen ging, die keine „Musterschülerinnenkarriere“ hinlegen einging, war aufgrund der Offenheit und Spontanität mit Sicherheit das Highlight des Abends

Aber sehr viel wichtiger war, was bei den offenen Fragen geschah: Die erste Frage ging sehr direkt um Leistungsdruck und Mobbing. Die Reaktion des Direktors war hervorragend!

Er räumt ein, dass viele Mädchen nicht nur fleißiger sind als Jungs, sonder dass auch Mobbing ein Thema ist, mit dem die Schule konfrontiert wird, und erläuterte dies anhand des einen Falles, der im letzten Schuljahr vorkam, wie solche Situationen angegangen werden. Es wurde mit keinem Wort erwähnt, dass auch auf anderen, gemischten Schulen gemobbt wird – obwohl dieses weiterschieben des „Schwarzen Peters“ wohl die leichteste Möglichkeit gewesen wäre.

Auch wurde nochmals erklärt, dass die gewonnen Preise und Wettbewerbe selbstverständlich ein gerne publiziertes Ergebniss der gezielten Förderung von Begabungen ist, dass aber auch Schülerinnen am „anderen Ende der Notenskala“ unterstützt werden.

Einer so offenen Antwort hat mich überrascht und den positiven Eindruck der Schule verstärkt.

Nun gut – warten wir das Anmeldeverfahren ab. Und dann kann es doch noch sein, dass zumindest meine Tochter auf’s Mädchengymnasium gehen wird 🙂

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