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Ego 3.0 – Verteilte soziale Netzwerke

Das Scoble vs. Facebook Event hat eine Diskussion über ein Thema losgetreten, das schon lange in den Köpfen von vielen herumschwirrte: Verteilte soziale Netzwerke.

Im Web 1.0 war jeder mit seiner Homepage alleine. Das Web 2.0 brachte uns Websites, die unsere Beziehungen untereinander digital abbildeten. Dies wurde mit den sogenanten „Sozialen Netzwerken“ noch auf die Spitze getrieben. Man brauchte nur noch seine Freunde/Geschäftspartner suchen, und konnte dann einen elektronischen Zettel schreiben – „Willst Du mit mir gehen?

Aber wärend zu meiner Schulzeit die Informationen über wer-mit-wem und wer-garnicht-mit-wem und wer-doch-wieder-mit-wem von uns selbst gespeichert, verwaltet und vergessen wurde (oder auch nicht), taten das im Web 2.0 die SNs wie Facebook, XING oder Studi/SchülerVZ. Das Problem dabei ist, dass man immer wieder seine Freunde in jedem Netz neu zusammensuchen muss, und nicht alle auf der gleichen Plattform mitmachen.

Viel schwerwiegender ist aber noch, dass die Daten, mit denen ich mein Soziales Netz aufbaue und „füttere“ in dem Moment für mich verloren gehe, wenn es aus welchem Grund auch immer zur Trennung von jeweiligen Anbieter kommt.

Beispiel gefällig? Viele Kontakte habe ich bei XING. Speziell Bekanntschaften aus dem Internet (Wie hört sich das denn bitte an?). Falls ich meine (kostenlose) Mitgliedschaft bei XING kündige, oder XING mich rausschmeißt, oder den Betrieb einstellt, kann ich nicht mehr die Telefonnummer von 34 Leuten abrufen. Das wäre schade. Also muß ich mir diese Daten in mein Adressbuch übertragen – wo sie dann aber nicht mehr automatisch aktualisiert werden.

Die Daten liegen aber doch meist schon auf den Webseiten der Leute herum!

Meistens sogar unter …/impressum.html – zumindest in Deutschland 🙂

Das Problem ist es jedoch, diese Daten zu finden, zu verwalten und zu verknüpfen. Und hierfür habe ich folgenden Plan entwickelt:

Ego 3.0

First DraftZunächst brauchen wir eine „Identität“ die, ähnlich wie bei OpenID, ein URL ist – als vereinfacht: Eine Webadresse. Dies sollte eine URL sein, die man selbst kontrolliert – denn dies ist die „Kennung“ im Sozialen Netzwerk.

Ruft man diese Seite ab, so läuft hier entweder direkt der „Ego-Server“, der die öffentliche Profilseite anzeigt, oder im HTML-Header ist ein „Link-Tag“ ähnlich wie bei OpenID angegeben, das auf den tatsächlichen Ego-Server verweist – der dann die Profildaten liefert. Für Menschen wäre ein entsprechendes Icon auf der Seite nicht schlecht – wie bei RSS. Mein Farbvorschlag wäre ein schönes Grün.

Wechselt man später den Server, so ändert sich aufgrund der gleichbleibenden Identitäts-URL für meine Kontakte nichts. Nur die entsprechenden Weiterleitungen müssen aktualisiert werden.

Da man aber nicht alle Details öffentlich ins Web stellen will, ist auf der Profilseite die Möglichkeit gegeben, sich per OpenID auszuweisen. Tut jemand dies zum ersten Mal, so wird beim Nutzer nachgefragt, ob und welche zusätzlichen Informationen diesem Besucher gezeigt werden sollen. Der neue Besucher ist also zunächst ein unbestätigter Kontakt. Sobald der Nutzer diesen Kontakt bestätigt, darf der Kontakt die weiteren Freigegebenen Informationen im Profil sehen.

Die Profilseite ist idealerweise so gestaltet, dass sie für Programme lesbar bleibt, aber trotzdem auch einem menschlichen Besucher als gut gestylte Profilseite angezeigt wird. Mit CSS sollte dies kein Problem sein, hCard ist anscheinen auch ein Ansatz für diesen Zweck.

Die Profilseite kann dann auch mit Bildern, Videos, Freunden, Blogartikeln und so weiter (ähnlich eines Facebook-Profils) geschmückt werden.

Nach ähnlichem Prinzip sind sogar „Netzwerke“ denkbar, die von den Mitgliedern verlinkt werden, prüfen ob die „Aufnahmekriterien“ gegeben sind (anhand von Einträgen im Öffentlichen Profils), und so wieder Verknüpfungen zu anderen Nutzern herstellen.

Ringlein, Ringlein, du musst wandern…

Da der „Ego-Server“ die Daten in maschienenlesbarer Form ausgibt, ist eine Migration von einem Server zum anderen ohne weiteres Möglich. Der bisherige Serverprovider geht pleite? Die Daten kann ein anderer (mit Authorisation des Benutzers) übernehmen.

Somit würde der „Social Graph„, also die Abbildung der Beziehungen tatsächlich dem Nutzer „gehören„, der diese angelegt hat.

Durch zunächst einfache Implementierung kann Code entstehen, der dann einfach in CMS/Blogsoftware/wasauchimmer integriert werden kann.

Andere Seiten zum Thema:

Alles unverständlich? Guggsdu: 🙂

First Draft

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4 Comments

  1. Posted 13. Januar 2008 at 0:41 | Permalink

    Netter Ansatz. Schau Dir auf jeden Fall mal die Idee hinter Noserub (http://noserub.com/) an.

  2. Posted 13. Januar 2008 at 5:46 | Permalink

    ich würde deine idee mit dem ego-server nochmal aufgreifen wollen:
    als erstes sollte immer der eigene ego-serv laufen, den sollte man auch zwecks dezentralität immer haben.
    was denkbar wäre, sind mirror- und backup-dienste (was zB die unternehmer in zukunft auch kommerziell betreiben könnten, weil jeder für ein stück sicherheit bereit ist zu zahlen ^^).
    sprich: man meldet sich mit seiner ID beim mirror an und der spiegelt deine daten (die er in regelmäßigen intervallen ja von dir aktualisiert) – quasi vergleichbar mit feedburner; du stellst den feed zur verfügung und feedburner kümmert sich um weiterverteilung. dies würde in diesem fall auch deinen ego-serv entlasten.

    denkbar wären dann auch suchmaschinen, die aber zB nur die discovery daten deines ego-profils nehmen dürfen; so kannst du leichter gefunden werden ohne aber die wichtigen daten aus der hand geben zu müssen.

    zum weiterspinnen sei auch angemerkt, dass eben neben deinen statischen werten/daten auch dynamische inhalte publiziert werden.
    ich habe es ja drüben bei robert schon angedeutet mit den kommentaren unter blogs: man stelle sich vor, die kommis verlassen nie wirklich deine seite, sondern werden ausschließlich auf dem betreffenden blog aggregiert. (lassen wir mal caching-mechanismen erstma außen vor).

    ich hör jetzt auf. ^^

    ich hab’s robert schon gesagt, er ist schuld, dass ich nicht schlafen kann, und dein beitrag muss grad „leiden“.

    ich hoffe, du beteiligst dich bei cocur, wenn da mal n wiki drauf ist. deine idee und skizze ist ein guter anhaltspunkt zum entwickeln.

    bye

    aki

  3. Posted 12. März 2008 at 19:26 | Permalink

    Hi Stefan…

    das klingt ja richtig gut! Deine Idee sagt mir außerordentlich gut zu. Andererseits drückt sie eine Notwendigkeit aus, deren Eintritt ich mit Spannung erwarte…

    Momemtan gibt es viel zu viele Social Communities, ich geben daher auch all den kleinen Startups keine Chance. Meines Erachtens befindet man sich zwar momentan in der Differenzierungsphase (immer mehr communities), aber langfristig wird der Nutzer eine Konsolidierung verlangen, entweder in Form übertragbarer und sich selbst synchron aktualisierender Profile oder durch einen „Branchenriesen“ mit vielen Funktionen…

    Was macht denn deine Idee momentan?

    MfG Daniel

  4. Karsten
    Posted 15. März 2008 at 16:47 | Permalink

    Hi Stefan,

    hört sich wirklich sehr interessant an und würde bei den Nutzern sicher formidabel einschlagen. Habe ähnliches gerade in nem Seminar gelesen, Auszug aus diesem Buch: „Soziale Netzwerke im Internet, Entwicklung Formen und kommerzielle Nutzung“ von Häusler.

    Viel Spaß bei der Umsetzung Deiner Ideen 🙂

    Grüße
    Karsten

2 Trackbacks

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