Stefan.Waidele.info

Meine Datenbank gehört mir!

Ein weiterer Artikel in der munteren Reihe „[Wasauchimmer] gehört mir!“ (Mein Bauch, meine Postleitzahl, mein Avatar, und jetzt also auch meine Datenbank – ja ich bin unersättlich!)

Xing und Facebook werden durch die Blogosphäre getrieben – aus zwei ganz verschiedenen Gründen.

Xing wird zur Last gelegt, seit Jahresbeginn Werbung in der Profilansicht einzublenden – auch in den Profilen zahlender Kunden, und auch Werbung für deren Konkurrenz. Und Facebook hat kurzerhand den US-A-Blogger Robert Scoble herausgeworfen, weil dieser sich erdreistet hat, die E-Mail-Adressen seiner Facebook-Kontakte per OCR zu „exportieren“.

Zuerst zum Thema Xings Neuerungen: Es wundert mich sehr, dass es noch kein Geschrei wegen eines ganz anderen Features gab. Vielleicht ist es zu subtil. Oder einfach zu „nützlich“: Xing lässt mich die Aktivitäten meiner Kontakte überwachen!

Xing is watching you!

Neues aus meinem Netzwerk

In der „Neues aus meinem Netzwerk“ Infobox werden nur Ereignisse/Änderungen von Ihren direkten Kontakten angezeigt. Welche Änderungen/Ereignisse von Ihnen für Ihre Kontakte sichtbar sind, können Sie in Ihren Einstellungen zur Privatsphäre festlegen.

Folgende Informationen von Ihnen werden nicht angezeigt:
– XING-Nachrichten (gesendet und empfangen)
– Unbestätigte Kontaktanfragen (gesendet und empfangen)
– Gelöschte Kontakte und abgelehnte Kontaktanfragen
– Nicht öffentliche Gruppen und neue Gruppenartikel
– Nicht öffentliche Termine

Na super! Wäre ja noch schöner, wenn obige Details auch noch ans schwarze Brett geheftet würden. Klar ist es Sinn von Xing, dass man sein „Netzwerk“ pflegt. Aber muss es so automatisiert sein? Klar ist es toll automatisch zu erfahren, dass ich indirekte Kontakte zu „N24“ habe – aber wollte der „direkte Kontakt“ das wirklich allen auf die Nase binden?

Man kann diese Art der Überwachung unter „Einstellungen zur Privatsphäre“ abschalten. Ein Opt-In hätte jedoch von deutlich mehr Sensibilität für den Wert dieser Daten dokumentiert. An einem anderen Punkt hat man den Wert der Profildaten nämlich sehr wohl erkannt: Beim Export.

Will man das „Xing-Adressbuch“ mit dem neuen Handy oder mit der Datenbank auf seinem eigenen PC abgleichen, so bleibt einem nur der Weg in die bezahlte Premium-Mitgliedschaft. Und je mehr Zeit, Liebe und Arbeit ich in die Pflege meiner Xing-Kontakt stecke, desto mehr liefere ich mich diesem Dienst aus. Entweder ich bezahle, oder ich tippe die Adressdaten von Hand ab.

US-Blogger Robert Scoble wollte dies (bei Facebook) nicht tun, sondern nutzte ein Programm, das dieses „Abtippen“ für ihn erledigen sollte. Und wurde dafür von Facebook gesperrt. (Habe zu wenig gelesen, um beurteilen zu können, ob er sich wieder anmelden darf – darum geht es ja auch gar nicht). (Schöne Zusammenfassung bei Venture Beat)

Sicher: Wenn die AGBs sagen: „Du sollst nicht per Skript auf die Seiten zugreifen!“ dann mag die Sperre „rechtens“ sein. Trotzdem bleibt die Frage: „Warum kann ich die Daten meines Adressbuches nicht einfach speichern?“. Denn „speichern“ bedeutet in diesem zusammenhang auch „mitnehmen“. Nach Hause oder zu einem anderen Anbieter. Und damit wandelt sich auch Skript-Verbot zum tatsächlichen Gebot: „Du sollst keine anderen Social-Networks neben mir haben!“.

Was ist also mein Vorsatz für 2008? Die richtige Balance finden zwischen „Die Daten sind frei!“ und Schutz eben dieser Daten. Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass offene Standards verwendet werden, und dass die entsprechende (Server)software frei verfügbar ist. Wie zum Beispiel bei OpenID: Man kann seine „Identität“ bei einem Anbieter anlegen, und ist trotzdem frei, diesen zu wechseln – oder seinen eigenen Server einzusetzen.

Und wer in diese Richtung sich weiter informieren will, der sollte wohl beim dataportability.org-Blog mitlesen. (Hab’s auch eben erst abonniert, kann also keine wirkliche Empfehlung aussprechen.)

Ich tippe jetzt meine Xing-Kontakte ab. Das sind ja nur 33 – im Gegensatz zu Robert’s 4999 🙂

Es bleibt Spannend!

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