Kinder-Communities: Spagat zwischen Datenschutz und Kinderschutz

datePosted on 20:50, November 7th, 2007 by Stefan
  • B.: Papa, ich habe jemandem, den ich nicht kenne eine E-Mail geschickt!

Na super! Das hatten wir doch ausführlich durchgekaut, als es vor ein Paar Wochen um Barbie ging! Aber das Grinsen meines Ältesten zeigt mir, dass er genau auf diese Reaktion gewartet hat.

Na gut, wenigstens etwas, was mit Büchern zu tun hat. B. hat die Serie “Museum der Abenteuer” (Wurde die umbenannt? Ich dachte immer sie heist “Museumsabenteuer”…) verschlungen, und auch “Kolumbus und Du” begeistert ihn.

  • Ich: Ach ja. Und was hat er Dir geantwortet?
  • B.: Gar nicht. Aber das geht ja auch nicht. In dem Formular war nur Platz für meinen Namen und die Nachricht. Meine E-Mail Adresse konnte ich ja gar nicht eingeben.

Respekt. Eine Kommentarfunktion, die auf Kinder zielt, und (deshalb ?) darauf verzichtet, die Adressen zu sammeln. Gar nicht übel.

Wie ich von meinem Sohn erfahren habe, kann man sich wohl bei der Seite anmelden - um einen “Steckbrief” erstellen zu können und “noch so Spiele machen zu können”. Hier muss dann auch die E-Mail Adresse eingegeben werden. Jedoch “bekommen dann erst die Eltern ein Formular geschickt, ob man das auch darf.”

Und ich hatte das Internet schon für unter 30-jährige komplett sperren wollen! Aber anscheinend gibt es noch die Edlen, die Guten. Die, denen man Vertrauen kann, obwohl sie meinen Kindern etwas verkaufen wollen. Diesmal eben Bücher statt Puppen mit implantiertem MP3-Hirn.

Also, dann will ich mir das doch mal selbst anschauen. Tatsächlich. Da werden wohl die Angaben des Kindes abgefragt, und die Altersprüfung ist auch rein über Drop-down Boxen realisiert. Aber dann kommt die Sache mit den Eltern: E-Mail Adresse und Telefonnummer werden hier verlangt. Das ist, denke ich tatsächlich nicht schlecht, um das Einverständniss der Eltern überprüfen zu können. Schon alleine die Tatsache, dass der schriftliche Kontakt zu den Eltern hergestellt werden wird und, falls man die Adresse schnell bei gmail gefaked hat, auch ein Telefonanruf erfolgen könnte wird in sehr vielen Fällen für ein Gespräch zwischen Eltern und Kindern sorgen. Und genau das soll ja auch passieren.

Ein weiterer Punkt, der mir positiv aufgefallen ist sind die Regeln, die für die Website aufgestellt werden. Diese sind nicht viele, und sind auch für Kinder verständlich erklärt. Hauptsächlich dreht es sich auch hier darum, dass die Kinder ihre persönlichen Daten schützen sollen:

[...]
E-Mail-Adressen und andere persönliche Daten werden heute gehandelt wie Waren. Es gibt spezielle Computer-Programme, die versuchen diese Adressen im Internet aufzuspüren; zum Beispiel in Foren, Chats oder auch in deinem Steckbrief. Denk immer daran: Was du in deinen Steckbrief schreibst, kann von jedem gelesen werden.

Was mit jetzt noch aufstößt, an der Seite?? Eigentlich nur Formulierungen. So in etwa, dass die Eltern zuerst gefragt werden sollten, bevor der Fragebogen ausgefüllt wird. Denn wenn man die Erklärungen auf der Registrationsseite befolgt, geben die Kinder ja die eigenen Daten sowie die der Eltern heraus, bevor sie nach Erlaubnis gefragt haben. Das sollte nicht sein.

Und macht es mir als Privatsphärenfanatiker nichts aus, dass hier meine Telefonnummer in die Hände eines Verlages gegeben wird, der gar nicht verhehlt, dass er mich anrufen will?
Ich denke, dass dies hier ein hinzunemendes Übel ist, das ich aber mit Blick auf die Kindersicherheit des WWWs auf mich nehme. Auch wenn es natülich schon fast gefährlich ist, diese beiden Begriffe gemeinsam in einem Satz zu verwenden.

Aber genau deshalb weil das Netz nie ein sicherer Ort sein wird, ist Offenheit zwischen allen Beteiligten so wichtig. Und da ist es nur gut, wenn nicht nur die Kinder und die Unternehmen beteiligt sind, sondern auch die Eltern. Auch wenn mich das meine Telefonnummer “kostet”.

categoryPosted in Kinderweb, MyBlog, Opinons | printPrint
Related Posts:

Comments are closed.