Mindestlöhne in Second Life?

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. Und dieses Mal war es Lighthunter Lynch:

Ich habe jetzt schon desöfteren Arbeitsangebote gesehen, die Avataren bei einer voll abverlangten Konzentration von bis zu 12 Stunden am Stück, umgerechnet so zwischen ein und zwei Euro Stundenlohn versprechen. Natürlich wird das Gehalt in Linden Dollar ausgeschrieben, 500L$ oder 600L$ hört sich ja auch gleich nach viel mehr an.
[...]
Die SL-Arbeit wird also von dem Menschen hinter dem Avatar erledigt. Es ist RL-Zeit, die vergeht. Es ist der RL-Verstand, der die Arbeit koordinieren und durchführen muss. Rein virtuell kann man garnicht arbeiten.

Und genau das ist der Punkt, warum Camp-Chairs und Dancepads für die Nutzer gar nicht mehr so attraktiv sind: “Löhne” in der Größenordnung von wenigen Cent pro Stunde sind nur dann akzeptabel, wenn man dabei etwas machen kann, was man gerne tut. Die L$ sind dann nur Beigabe. Bei Sitzen auf Campchairs kann ich mich mit anderen unterhalten und mein Inventar aufräumen. Aber das war es dann auch schon. Ich kann mir nicht einmal wirklich aussuchen, mit wem ich mich unterhalte, denn das hängt davon ab, wer gerade nebenan sitzt.

(Sebastian Küpers hat übrigens sehr interessante Gedanken zum Einsatz von Campchairs zu “Papier” gebracht, aber das würde uns vom Thema wegführen)

Die Spannung entsteht jedoch dadurch, dass in Second Life auch “Spieler” unterwegs sind, die gerne RL-Zeit im Metaverse verbringen, und sich somit mit L$500 (oder auch L$1000) die Stunde zufrieden geben. Wer gerne auf SL-Parties ist, der kann ja ein wenig SL-Taschengeld für SL-Kleidung etc. verdienen. Da stimmt dann die Relation: Für L$1000 kann man sich virtuell prima einkleiden. Wer das in RL mit dem Lohn für ein oder zwei Stunden Arbeit tun kann, der kann nicht meckern.

Aber in dem Moment, wo die Dienstleitungen über das Spielniveau hinausgehen (z.B. beim Bauen oder Scripten im Frendauftrag) ist es, wie Lighthunter schon sagte) echte Arbeit, die auch echen Lohn rechtfertigt.

Weitere Artikel zum Thema:

  1. Umfrage: Ihre Wunscharbeit und Ihre Kompetenzen in Second Life
  2. Anthropomorphe Wesen in Second Life – Furries
  3. Reiner Calmund in Second Life

Related posts brought to you by Yet Another Related Posts Plugin.

2 Responses to “Mindestlöhne in Second Life?”

  1. Theresa 6. June 2007 at 23:05 #

    So schaut´s aus!

  2. Akio Korhonen 16. June 2007 at 23:28 #

    Hallo, also ich finde, dass der Artikel sehr einseitig an unserer deutschen Situation mit deutscher Sicht geschrieben ist. Ein Webdesigner kostet z.B. in Brasilien ca. 200 € im Monat, was bei 160 Arbeitsstunden im Monat 1,25 Euro Stundenlohn ausmacht. 1 bis 2 Euro Stundenlohn sind in China auch kein schlechter Lohn. Deutschland ist ein Hochlohnland, Secondlife international; unsere Standards gelten nur national.
    Wenn sich jemand findet, der das für die angebotene Entlohnung macht ist das nicht unbedingt verwerflich. Die Frage stellt sich allerdings, ob ein Arbeitnehmer aus D sich da engagieren soll. Schön zu sehen, ist allerdings auch dabei, das der deutsche Arbeitnehmer längst im internationalen Wettbewerb steht. Bin mal gespannt, wann die Gewerkschaften in SL auftauchen.
    Meine 2 ct.

Leave a Reply

Comments links could be nofollow free.