Behavioral Targeting im Web und SL
Auch Tao macht sich Gedanken über Behavioral Analysis in Second Life. Er geht dabei auf die Datenschutzerklärungen ein, die auf vielen Webseiten versteckt sind. Er ist der Meinung (die ich teile), dass Datenschutzerklärungen im “Covenant” (also sozusagen den Nutzungsbedingungen für Land in SL) nicht gelesen werden. Wahrscheinlich eher nicht, wobei dies ja keinen Unterschied zum Web darstellt.
Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen der Datenerfassung im Web und in SL:
In Second Life werde ich (d.h. mein Avatar - aber das sollte nicht unterschieden werden) direkt und unvermeidbar über mein Avatar-UUID identifiziert. Kein Umweg, keine Chance der Manipulation. Es gibt keine Möglichkeit meine Identität vor Datensammlern zu verbergen.
Im Web habe ich mehrere Mittel, meine Identität zu verbergen. Ich kann Cookies ablehnen oder regelmäßig löschen. Ich kann meinem Browser verbieten, Skripte auszuführen. Hierdurch können die meisten Datensammler wirkungsvoll abgewehrt werden. Wem das nicht reicht, der surft über einen anonymisierenden Proxy oder eine “Mixkaskade” nutzen und die Sache sollte erledigt sein. Der Aufwand, den jeder hierbei treibt ist direkt abhängig für den Grad der individuellen Paranoia.
Und deshalb ist mir Behavioral Targeting in Second Life weitaus unsympatischer als es mir im Web ist. Im Web bin ich der Analyse nicht wehrlos ausgeliefert. In Second Life schon. Denn sind wir ehrlich: Opt-out ist nicht vertrauenswürdig. Wer klickt schon auf den “Unsubscribe-Link” in SPAM-Mails? Also. Da haben wir’s. Meiner Meinung nach ist Opt-out nur dann akzeptabel, wenn man selbst dafür sorgen kann.
Dies ist auch der Grund, warum ich guten Gewissens Googls-Ads auf meinen Blogs platzieren kann. Wer der Datenkrake Google nichts verraten will, deaktiviert die Skripte von Google.com und gut ist. Die Empfehlungslinks für den Google-Toolbar ist genau deshalb rausgeflogen: Hier werden mehr Daten gesammelt, ohne dass der Nutzer sich im Nachhinein anders entscheiden kann. Das kann ich nicht empfehlen.
Ach ja: Wenn ich im Supermarkt an der Kasse nach meiner Postleitzahl gefragt werde, antworte ich meistens: “1 2 3 4 5″ :)
Die anderen Artikel dieser Serie über Behavioral Analysis:
- Behavioral-Targeting
- Sicherheit, Überwachung, Flash-Cookies und Behavioral Analysis
- Die Schöne Neue Welt der Werbung - RFID here we come! (in meinem SL-Blog)
- Manipuliertes Vertrauen
- Opt-out ist auch ein Profil
- Nachteile für Werber


Wenn ich im Supermarkt nach meiner Postleitzahl gefragt werde, sage ich: meine Postleitzahl gehört mir. Es gibt keinen Grund, diese Frage zu beantworten, aber sehr viele, darauf hinzuweisen, dass der automatische Gehorsam, mit der 99% aller Leute reagieren, eine absolut freiwillige Leistung ist.
Gruß Liljemor
So hab ich das noch gar nicht betrachtet. Guter Punkt! Gibt aber bestimmt bald auch Dienste (um nicht zu sagen Hacks) mit denen man auch richtig “anonym” im SL rumschwirren kann…