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Manipuliertes Vertrauen

Dieses Thema…”bewegt” mich sehr. Es schein so, als gäbs ‘ne Serie:

Heute gab es eine Menge Links zu Seiten, die sich mehr oder weniger mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch wenn manche Techniken nicht unter das “Buzzword du Jour” fallen, so zeigen sie doch wie es in erster Linie darum geht, die Verbraucher zu manipulieren.

Soviel vorweg: Ich bin nicht gegen Kommerz. Ich betreibe selbst ein Geschäft, und auch ich bin daran interessiert, dass die Gäste in mein Hotel kommen, und nicht zum Nachbarn gehen. Auch ich “höre” auf meine Kunden und versuche die Wünsche meiner Stammgäste zu erfüllen, ohne dass jedes Mal darüber gesprochen werden muss. Aber ich bin mir bewusst, dass die Daten meiner Kunden ein wertvolles Gut sind, und gehe deshalb sparsam damit um. Ich bin nicht gegen einen freien Markt. Aber zu einem freuen Markt gehören auch freie Kunden. Und manipulierte Kunden sind in ihren Entscheidungen nicht frei.

Einigee ganz klassische Methoden, Kunden zum “richtigen Produkt” zu bewegen werden im Artikel “15 ways stores trick you into spending” von The Simple Dollar aufgezeigt. Hierbei wird nicht das Verhalten Einzelner ausgenutzt, sondern das durchschnittliche Verhalten der Masse. Und fallen wir nicht immer wieder gerne auf diese Tricks herein? :)

Nachdem Sebastian von IAN vorgestern vollmundig seinen neuen Dienst vorgestellt hatte, der dann doch noch nicht im öffentlichen Einsatz ist, plaudert Annette von nugg.ad über “Die Zukunft der Werbung in Second Life“:

“Betrachtet ein Avatar einen Interessensturm (der stellvertretend steht beispielsweise für einen virtuellen Sportartikel-Shop), wird diese Information vom nugg.ad-System registriert und ein Nutzerprofil angelegt. Nähert sich der Avatar dann einer Werbetafel, schaltet diese die passende Werbung – in obigem Beispiel für Sportartikel.”

Hierbei gibt sie ein interessantes Detail preis: Das Profil wird nicht ausschließlich an den Werbetafel erstellt, sondern (auch) an unauffälligeren anderen Orten. Auf dem Testgelände sind dies noch “Türme”, die die verschiedenen Points of Interests (POI) darstellen – im echten Betrieb kann die Technik jedoch in jedes andere Objekt eingebettet werden. Somit ist eine feinkörnige Analyse der Avatarbewegungen möglich: Nicht nur “Shop A” oder “Shop B”, sondern “Shop A – Abteilung superteure Skins” und “Shop A – Abteilung Dancepads”.

Auf diese Weise lassen sich Eigenschaften von Personen sehr gut erraten: Somit ist auch die im Bild gezeigte Einstufung nach Geschlecht und Alter möglich, ohne dass der Nutzer diese Daten direkt angeben muss. Was natürlich die Frage aufwirft: Was ist schlimmer: Wilde Datensammlungen oder Sammlungen wild geratener Daten? (Gehen wir davon aus, dass nugg.ad sich damit brüstet, dass die erratenen Daten ziemlich akkurat sind). Und hat das System automatisch einen Abuse Report gegen Sebastian generiert? Mit seinen zarten 17 Jahren darf er doch noch gar nicht ins Grid… :)

Im nächsten Post, der mir auf meinem heutigen Blog-Spaziergang aufgefallen ist, erzählt Frank über die Werbemesse ad:tech:

“Behavioral Targeting ist kein Buzz Word sondern schlicht und einfach Standardrepertoire. Je nachdem wen man fragt, wird einem gesagt, dass in diesem Jahr jedes 3., 5. oder zumindest 10. Display Ad mit Targeting ausgeliefert wird.”

Ist mit “Display Ad” die Werbung auf Webseiten gemeint? Oder echte Werbedisplays? Wie wollen die das in der echten Welt machen? So verbreitet ist RFID nun doch nocht nicht. Aber wir sehen: Das was heute in SL getestet wird, hat schon eifrige Abnehmer in RL.

Als nächstes erzählt uns Steve Ballmer von MS, dass Software auch kostenlos abgegeben werden kann. Microsoft hat damit schon gute Erfahrungen gemacht (siehe Internet Explorer, Office-Bundles, Windows-Raubkopien, etc.). Neu für Microsoft ist die Aussage, dass man diese Umsonstsoftware per Werbung finanzieren will. (Moorhuhnjagd und Opera waren hierbei Vorreiter).

U.a. erwähnt Ballmer [...] dass Microsoft der Werbeindustrie Technik und Software zur Verfügung stellen wird, ihre Werbung an den Mann zu bringen.

Da ist eine Firma, die den Markt für Betriebssysteme, für Office Anwendungen und für Webbrowser dominiert. Wenn wir hier das von den Werbefirmen so heiß begehrte Behavioral Targeting noch dazu tun, dann aber gute Nacht! Per “Trusted Computing” kann sogar dem Nutzer die Manipulation des eigenen Profils auf dem eigenen Rechner untersagt werden:

Trust … Vertauen … genau das ist es, was durch Behavioral Analysis zerstört wird.

Posted in Behavioral Targeting, Business.


3 Responses

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  1. Frank says

    Hi Stefan, mir fällt eine Menge zu Deinem Beitrag ein, will mich allerdings erst einmal auf zwei Dinge beschränken. Zum 1., jedes 3 bis 10. Display Ad meint Onlinewerbung jeseits der Suchwortvermarktung. Dort sind, das liegt in der Natur der Sache, 100% targeted. Zum 2. Ja, Targeting ist ungenau. Und das ist gut so. Wir wissen eben nicht, wer sich genau vor dem Bildschirm befindet, sondern versuchen lediglich zu ahnen, wasm gerade interessiert. Das ganze verbunden, die Werbewelt wenigstens etwas relevanter zu machen.

Continuing the Discussion

  1. stefan.waidele.info » Blog Archive » Behavioral Targeting im Web und SL linked to this post on 29. April 2007

    [...] Manipuliertes Vertrauen [...]

  2. stefan.waidele.info » Blog Archive » Nachteile von Behavioral Targeting (für Werber) linked to this post on 29. April 2007

    [...] Manipuliertes Vertrauen [...]



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