Sicherheit, Überwachung, Flash-Cookies und Behavioral Analysis
Wärend die demokratischen Institutionen noch über das Ob, Wie und Wieviel diskutieren, ist die freie Wirtschaft schon ein gutes Stück weiter. Sogenannte Flash-Cookies machen sich auf den Festplatten der Nutzer breit, ohne dass diese über normale Browserfunktionen zu löschen sind.
Gulli.com berichtet zwar, dass es auf Adobes Seiten eine Anleitung zum Entfernen der Supercookies bereitstellt, jedoch sind diese Seiten “Temporarily Unavailable”. Schade auch. Aber für den Firefox gibt es schon ein Plugin “objection”. Muss ich mir demnächst mal anschauen.
YouTube und Konsorten haben also schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, unserer Nutzerverhalten zu Analysieren.
Auch Second Life hat weitreichende Möglichkeiten, mit denen sogar Nutzer andere Nutzer überwachen können. Sebastian Küpers plant ein System, das Werbung über das ganze Grid verteilt auf den jeweiligen Betrachter abstimmt:
Ich habe mich in den letzten Wochen vermehrt mit den Jungs von nugg.ad über “Behavioral Targeting†Ansätze in Second Life unterhalten und wir werden in den nächsten Wochen einen Prototypen präsentieren, bei dem sich die Werbung - auf einem dafür speziell ausgerüsteten Werbeturm - seinem Betrachter und dem Kontext anpassen wird.
Die Techniken hierbei sind nicht neu: Objekte können feststellen, welche Avatare sich in der Umgebung aufhalten. Auf diese weise Kann der Betreiber eines Netzwerkes von Objekten (hier: Werbetürme) feststellen, wer sich wie lange und wie oft in welchen Regionen des Grids aufhält. Wer sich hauptsächlich in Newbie-Locations bewegt, bekommt andere Werbung als derjenige der sich regelmäßig in virtuellen Casinos herumtreibt.
Ja, ihr Werber, ich höre euch: Die Technik ist da und wird genutzt - warum nicht davon profitieren? Vielleicht weil es einfach nicht richtig ist. Ihr könnt euch lange einreden, dass gute, zielgerichtete Werbung eine Dienstleistung am Kunden ist. Das mag in Ansätzen stimmen, aber “Behavioral Targetting” ist schlicht und einfach Manipulation.


Ruhig Blut - irgendwo einen Turm in Second Life hinzustellen, um die Leute in der Umgebung zu überwachen, ist a) nicht erlaubt und b) auch nicht in unserem Sinne.
Dann bin ich ja mal auf den Prototypen gespannt. Wie sonst wollt Ihr es sonst erreichten, dass “… sich die Werbung [...] seinem Betrachter [...] anpassen wird.”? Und warum sind sonst die 13 Standorte und das Prädikat “Reichweitenstärkstes Netzwerk in der deutschen SL-Community” so wichtig?
Oder hier: http://pixelsebi.com/2007-02-02/inworld-advertising-network/#comment-25071 “dass es einen Dienstleister gibt, der mehrere verteilte Werbeflächen besitzt (soe wie ich die Türme), die er zentral anbieten kann”
Zentral Anbieten bedeutet doch auch zentral auswerten.
Abgestimmte Werbung geht eben nicht ohne Datenbasis. Und die hat man ja mit einem großen, zentral verwalteten SL-Werbenetzwerk.
Hört sich das pessimistisch, misstrauisch und miesepetrig an? Na ja, ich bin ja auch einer von den Leuten, die NIE Schuhcreme kaufen, wenn der Verkäufer diese als Zusatzgeschäft anbietet ;)
Das Prinzip ist ganz einfach: Du baust ein Testgelände auf eigenem Grund Land mit eigener Privacy Policy und da kannst Du mit Testpersonen vorführen das es geht.
Wenn man sowas ausrollen will - wird das genauso wie im Web funktionieren:
Content Anbiete / Land Besitzer - die das System einsetzen wollen und bei sich installieren müssen dann auch eine Privacy Policy veröffentlichen, dass sie bestimmt Informationen tracken und die Besucher haben die Möglichkeit - im übertragenden Sinne - das Cookie wieder zu löschen.
Ich denke wir nehmen das Thema Privacy mehr als ernst. Die Türme sind vor allem dazu da personalisierte Werbung anzuzeigen. Die Datenbasis erheben kannst Du wirklich nur mit Zustimmung und Opt-Out Möglichkeit.
Hier mal einer der “Jungs von nugg.ad”: Ich verstehe Dich, Stefan, nicht, warum du Behavioral Targeting mit dem Bundestrojaner in Verbindung bringst. Wir verarbeiten eben gerade keine Personendaten sondern anonyme oder zumindest pseudonyme Nutzungsdaten. Das liegt in SL schon mal in der Natur der Sache.
Persönlichere Werbung, sprich bessere Angebote, bedeutet, den Kunden zuhören können, sein Feedback ernst zu nehmen, Individualität der Masse vorzuziehen. Das tut seit jeher jeder gute Verkäufer, von denen es in unserer Welt des Massenkonsums nur immer weniger gibt. Überwachung, Spionage, Manipulation sind etwas anderes. Personendaten geschweige denn deren Missbrauch interessieren uns nicht die Bohne.
Dass ihr Euch nicht gerne im Umfeld des Bundestrojaners wiederfindet, kann ich sehr gut verstehen. Die Verbindung habe ich auch nicht direkt gezogen, sondern die hat sich erst über den Umweg des “Flash-Monster-Cookies” ergeben.
Ich warte jetzt mal Euren offiziellen Launch ab, und dann werden wir ja sehen.
Ich unterstelle Euch auch nicht, dass Ihr illegale Datensammlungen anlegt. Ich sehe nur dass die über Bürger/Kunden/Konsumenten gesammelten Daten (personenbezogen, pseudonym oder anonym) immer mehr werden - und das gefällt mir nicht.
Hm, also ich weiss eh nicht, ob “normale” Webung so der richtige Ansatz für Second Life ist. Denn ist nicht gerade der soziale Aspekt derjenige, der Second Life stark macht? Ich frage mich auch, wer da so wirbt, denn in-world habe ich glaub ich noch keine der Personen getroffen (allerdings mag ich das auch verpasst haben), das wäre für mich auf jeden Fall der interessantere und auch vielsprechendere Ansatz.
Auch ist es interessant zu sehen, dass sich heutzutage (zumindest auf den deutschen Sims) niemand sehr drüber aufregt. Traditionell war es eigentlich immer so, dass die SL-Community immer sehr gegen Werbung dieser Art war (z.B. gab es ja schon versuche, auf diverse 16m-Parzellen solche Screens hinzustellen) und es daher auch auf dem Mainland eigentlich kaum zu sehen ist (oder vielleicht war, müsste mal wieder schauen gehen ;-).
Auf den deutschen Sims scheint mir diese Werbung auch eh ein bisschen unterzugehen, da ich das Gefühl habe, dass die meisten eh nur Dauerwerbeplätze sind. Leider daher alles etwas langweilig für meinen Geschmack.
Aber ich kenne die Zahlen nicht und daher sollte das auch nur als meine persönliche Meinung gesehen werden.
PS: Im übrigen stimmt man dieser Zeit ja stillschweigend direkt bei Benutzung etc. zu, daher fänd ich eine opt-in-Lösung zur Abwechslung eigentlich mal besser ;-)
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