Warum das Rauchverbot gut für die Gastronomie ist

Posted on 19:29, March 4th, 2007 by
Stefan
So, das muss jetzt mal raus:
Ein genereller Rauchverbot ohne Ausnahmen wäre gut für die Gastronomie!
Gerhard Schoolmann wettert seit geraumer Zeit auf seinem Gastgewerbe-Gedankensplitter Blog gegen jegliches Rauchverbot in der Gastronomie. Das darf er. Ich lese sein Blog weiter, auch wenn mir seine “konstruktiven Postings” weitaus besser gefallen. Aber einige seiner Aussagen stimmen so allgemein wie er sie macht ganz einfach nicht.
Beim Rauchverbot geht es nicht um die Vorlieben der Gäste (und auch nicht um die der Wirte):
Das Rauchverbot war als Maßnahme des Arbeitnehmerschutz gedacht, um den Angestellten in gastronomischen Betrieben einen rauchfreien Arbeitsplatz bieten zu können. Es geht hier nicht um die nichtrauchenden Gäste - die können in andere Lokalitäten abwandern oder zu Hause bleiben. Die Arbeitnehmer haben diese Wahlfreiheit so nicht. An diesem Punkt ändert auch eine “Deklaration vom Raucherlokalen” nichts.
Bei einem Rauchverbot in gastronomischen Betrieben bleiben die Gäste nicht weg:
Warum berichten alle Restaurants, die Nichtraucherzonen eingerichtet haben von deren Erfolg? Warum vermisst nur ein kleiner Teil der Gäste, die in unserer Raucherzone sitzen den Aschenbecher (den wir nur auf Anfrage an den Tisch bringen)? Warum ist die Gastronomie in Italien noch nicht zu Grunde gegangen? Ganz einfach: Weil die meisten Raucher zivilisierte Menschen sind, die einsehen dass der Rauch fremder Zigaretten stinkt.
Wenn die Zigarette das einzige ist was meine Gäste bei mir hält, dann hat mein Restaurant ein Problem.
Bei “Kneipen” und “Cafés” mag die Sache nicht ganz so offensichtlich sein, aber wenn ein Rauchverbot flächendeckend und ohne Ausnahmen eingeführt wird, dann wird auch der Stammtisch weiterhin kommen - nur eben ohne Zigaretten. Bestes Beispiel ist das Café gegenüber von unserem Hotel-Restaurant: Eine Vergrößerung des Lokals wurde dazu genutzt, dieses als Nichtrauchercafé zu etablieren. Alle haben den Untergang vorhergesagt - und das Café ist immer voll!
Ein Rauchverbot ist auch ohne Stasi-Maßnahmen zu kontrollieren:
Auch wenn das Schreckgespenst vom nörgelnden Denunzianten an die Wand gemalt wird: Es funktioniert in Flugzeugen, auf Bahnhöfen, in Nichtraucherzonen von Gaststätten, im Frühstückraum des Hotels. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr werden durch reine Stichproben effektiv durchgesetzt.
Schoolmann zitiert den DeHoGa:
“Unsere Branche steht für Genuss. Rauchfreier Essensgenuss gehört für viele Gäste ebenso dazu wie für andere die Zigarette nach einem guten Essen im Restaurant. Wir wollen auch in Zukunft gute Gastgeber für unsere nichtrauchenden und rauchenden Gäste sein.”
Und hier liegt meines Erachtens das Problem der Wirte mit der “freiwilligen Regelung”: Wir wollen es allen recht tun. Zumindest so weit wie möglich - deshalb sind wir Gastgeber und nicht Bürohengste. Und es “zerreist uns das Herz” wenn uns ein Gast (aus welchem Grund auch immer) sagt: “Zu Dir komme ich nicht mehr!”. So lange ich das darf, wird es bei uns auch einen Raum für Raucher geben - und wenn es nur noch für den Stammtisch ist (an dem auch immer weniger Rauchen). Ich weiß, manche nennen das Feigheit. Für mich ist es die vielzitierte “Toleranz” und die Tatsache, dass ich diese Menschen nicht als “Raucher” sehe, sondern als Gäste und meist auch als Freunde.
Hier noch einige Artikel mit reißerischen Überschriften, die beim genauen lesen jedoch deutlich machen, dass das Rauchverbot nicht so schlimm sein wird, wie es einige Wirtskollegen an die Wand malen:
Die Süddeutsche.de: Harte Zeiten für Raucher - und Wirte:
“Tatsächlich kommen auf Fabian als Raucher harte Zeiten zu: Zu Hause schickt ihn die Freundin zum Qualmen vor die Tür,”
“Für Wirt Jan Oltznauer führen daher [Ausnahmen vom Rauchverbot] zu einer ,,Wettbewerbsverzerrung‘‘: ,,Wenn ich keine Raucherzone anbieten kann, mein Nachbar hingegen schon, dann scheide ich aus.‘‘ Daher wäre ihm ein Rauchverbot, das für alle gilt, ,,viel lieber‘‘. ,,Es wird zu Umsatzeinbußen kommen, wenn bei dem einen geraucht werden darf, bei dem anderen aber nicht.‘‘
Einige der Kommentare sind sehr interesant zu lesen (Erfahrungen aus Californien, etc.).
Selbst die Bildzeitung sieht ein:
Nach einer Studie des bayerischen Landesamtes, [...], ist die Feinstaubbelastung durch Zigarettenrauch in Diskotheken so hoch, dass die Bedienungen eigentlich mit Gasmaske arbeiten müssten.
Doch die Aufregung über das offenbar bevorstehende Verbot ist längst nicht überall so groß. In vielen Betrieben ist es längst kein Thema mehr. Im Bremer „Cafehaus Classico“ wird seit dem 8. Januar nicht mehr geraucht. „Wir haben wesentlich mehr Kunden als vorher“, sagt Inhaberin Beata Kostelidis (44). „Viele Familien mit ihren Kindern kommen jetzt zu uns. Die Kunden sagen, unsere Waren würden einfach besser schmecken als in anderen Cafés, in denen sie vollgeraucht werden.“
Und nur weil McDonnald’s (stellvertretend für “die Großen”) gute Erfahrungen mit rauchfreien Rest… Entschuldingung: Essensausgaberäumlichkeiten gemacht hat, bedeutet das ja nicht, dass ein Rauchverbot automatisch für “die Kleinen” schlecht sein muss.
Peter Hahne erkennt meines Erachtens ganz richtig:
Was Länder mit so ausgeprägter Kneipenkultur wie Italien und Irland geschafft haben, sollte auch uns Deutschen gelingen: Das Rauchverbot ohne Gesinnungspolizei Gewohnheit werden lassen.
Sehr amüsant finde ich, dass die Nichtraucherkneipe, die als Beispiel für einen Abgewanderten Stammtisch genannt wird, für Ihr selbstgebrautes Rauchbier bekannt ist :)
(Alles via Gastgewerbe Gedankensplitter)
Comments:
[...] Via Thilo Baum, der damit die Blogosphäre kritisiert. Warum fällt mir bei der Sache spontan auch die Raucherkampagne mancher lautstarken Wirte und auch diverse Trainerdiskussionen in der Bundesliga ein? [...]