Second Life braucht andere Werbung
Kann sein, dass ich mich mit diesem Artikel ziemlich weiit aus dem Fenster lehne. Schließlich bin ich ja kein gelernter Marketing-Experte. Aber ich bin Verbraucher und Zielgruppenmitglied. Außerdem habe ich die für mein Umfeld schwierige Eigenschaft, Werbekampagnen zu erkennen und zu durchschauen um sie dann anschließend auf fast peinliche Weise zu boykottieren. Aber was soll’s, los geht’s!
Virales Marketing ist ja im Moment der Renner bei den Werbetreibenden. Ist ja auch verständlich, schließlich spart man sich ja eine Menge Geld wenn die Kunden selbst die Werbung machen. “Damals” hieß das noch Mund-zu-Mund Propaganda oder schöner: Empfehlungen. In der Gastronomie leben wir davon. Und auch in Second Life wird versucht, die Botschaft per “Multiplikatoren” an den Avatar zu bringen.
Sebastian Küpers (aka Sebastian Otaared):
Wie man im Falle EnBW sieht, macht es daher wesentlich mehr Sinn - wenn man pure Reichweite braucht - auf virale Kampagnen zu setzen und seine Botschaft über Avatare zu streuen, die sich viel in Second Life bewegen und damit eine wesentlich grössere und kostengünstigere Reichweitere haben, als jegliches Land basiertes System.
Ich bezweifle jedoch, dass man virales Marketing so einfach “machen” kann. In gewissen Grenzen kann man Empfehlungen ermuntern, aber in dem Moment muss man in Second Life sehr viel Fingerspitzengefühl mitbringen, damit die eingesessene Bevölkerung nicht gegen sich aufbringt.
Das Problem besteht in der großen Anzahl von neuen SL-Bewohnern (zu denen ich mich auch nach mehr als drei Monaten noch zähle). Es ist nicht schlimm, jung zu sein, aber es ist auch unbestritten, dass man in wenigen Tagen oder Wochen nicht all die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln einer Gesellschaft lernen und verinnerlichen kann.
Wenn eine solche Marketing-Kampagne mir als Neuling anbietet, auf scheinbar einfache Art und Weise L$ zu verdienen, dann nutze ich diese Gelegenheit. Ich nehme den Rucksack und verteile die Werbemittel des Auftraggebers. Jedoch ist sehr schnell der Punkt erreicht, an dem ich diejenigen, die schon einen Rucksack haben - oder einfach keinen haben wollen, gewaltig nerve. Denn ich bin ja nicht alleine im Trikot unterwegs - es werden ja ganze “Armeen von roten und blauen Newbies” auf das Grid losgelassen.
Das ist der Punkt, an dem die Kampagne anfängt zu kippen und das Image des werbetreibenden Unternehmen (hier EnBW) Schaden erleidet.
Virales Marketing braucht echte Empfehlungen
Um echte Empfehlungen zu generieren ist es wichtig, die Kampagne so zu gestalten, dass der Empfehlende keinen direkten finanziellen Anreiz hat. Auch wenn L$10 nicht viel ist, so ist es doch Geld. Somit ist jede Empfehlung (auch echte!) vorbelastet, da sie als “gekauft” angesehen wird.
Auch muss man eine Leistung anbieten, die demjenigen der die Empfehlung bekommt direkt nutzt. Bei der EnBW Kampagne waren dies virtuelle Trikots, was nahelag da ja auf eine RL-Kampagne der EnBW hingewieser werden sollte, bei der es um Trikots geht. Jedoch ist der Nutzen von SL-Trikots bei weitem geringer als der von RL-Trikots. Aber was hätte man anbieten sollen? Was wäre in SL so wertvoll gewesen, dass ich voller Überzeugung allen meinen befreundeten Avataren gesagt hätte: “Da müsst Ihr hin?” - Auch wenn ich dabei nichts verdiene?
In RL war Moorhuhnjagdt (Hilfe! Ich kann keinen Link finden!) so ein Ding! Was haben wir geschossen, was haben wir gelacht. Es wurden Download-URLs und Punktestände weitergegeben, und Johnnie Walker hat mindestens eine Flasche “Black Label” mehr verkauft…ich erinnere mich noch gut
MP3 war auch die Empfehlung schlechthin! “Hey, da kannst Du Musik auf 1/10 komprimieren und es klingt immer noch super!”. Echte Helden hatten einen Rechner, der in Echtzeit komprimieren konnte. Ich will gar nicht wissen, was das Fraunhofer Institut an Gebüren kassiert!
Zwei Beispiele: Corecon und EnBW
Also, wir brauchen für eine virale Kampagne einen echten Mehrwert für alle. Was könnte das in Second Life sein? Die Sache mit dem Fußballspiel in der EnBW-Arena war ein klasse Idee. Mit einem Turnier hätte man da vielleicht Aufsehen erregen können - und die virtuellen Trikots hätten plötzlich einen Sinn. Auch kann ich mir vorstellen, dass eine Anzeigetafel mit Bundesligaergebnissen jeden Samstag einige Besucher angelockt hätte. (Auch wenn die echten Fans natürlich das ganze bei Arena schauen und nicht in SL. Und rechtemäßig hätte man da wohl auch noch einiges klären müssen).
Das Corecon Convention Center bietet auch einen echten Mehrwert: Einen Treffpunkt für Veranstaltungen, der kostenlos benutzt werden kann. Hätte die SL-Linux User Group nicht schon einen Treffpunkt, Kalexia würede des öffteren Anfragen von mir bekommen ![]()
Das Problem beim CCC ist vielmehr, dass es kurz nachdem es eingeführt wurde, den Standort wechselte. Das alleine währe ja nicht schlimm gewesen, wenn das alte Convention Center noch existiert hätte solange das neue Gebaut wird. Corecon war nun fast sechs Wochen nicht auf dem Grid präsent!
Normalerweise sind die Incentives - besser aber noch das Produkt - bei erfolgreichem viralem Marketing Neuheiten auf dem Markt. Das ist nicht einfach, speziell bei einer Plattform wie Second Life, die einserseits noch sehr jung, aber anderseits schon so riesig ist. Aber es behauptet ja auch keiner, dass viral auch einfach ist, oder?


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