Robert Basic fragt sich (wie so viele): “Wie verdient man Geld in Second Life?”
Zunächst noch einmal: Wer “nach Second Life” kommt um Geld zu verdienen, der ist auf dem Holzweg.
Das ist ungefär so, als wollte man mit Fußball oder Schach Geld verdienen.
Second Life ist (wie Schach und Fußball) eine tolle Plattform. Man kann dort Zeit verbringen und seine Fähigkeiten in einem wichtigen, neuen Medium erweitern (oder welche überhaupt erst erwerben). Mit diesen Fähigkeiten kann man dann Geld verdienen – aber eher in First Life als im Metaverse.
Wer keine Schuhe in den zahlreichen Freebie-Locations findet, kann versuchen über “Camping” und Glückspiel an den einen oder anderen L$ zu kommen. Jedoch ist dies eine sehr beschränkte Einnahmequelle, denn beim Campen verdient man nur sehr wenig und muss dafür sehr lange eingeloggt sein. Spielspaß kommt dabei nicht wirklich auf. Außerdem gibt es Berechnungen Vermutungen, dass der Strom den man dafür braucht teurer ist als was man dabei an L$ verdient. (Sorry, kein Link vorhanden)
Und die Sache mit den Glückspielen ist eben so: Auf Dauer verliert man mehr als man gewinnt.
Gut, daraus ergibt sich natürlich die Möglichkeit, selbst einen Spielautomaten aufzustellen. Abgesehen von der rechtlichen Unsicherheit (darf man das in D? …in EU? …in USA? …in SL? – Würdet Ihr im Web 2.0 ein Online-Casino betreiben?) ist es auch fraglich, ob man ohne Events drumherum damit einen solchen Erfolg haben wird, denn er muss ja mehr einbringen, als das Land auf dem er steht kostet.
Sprich: Bevor man den ersten L$ echten Gewinn verbuchen kann, muss man erst mal ordentlich ins System reinbuttern. Zuerst verdienen die Landbesitzer, Mallbetreiber, Automatenhersteller und natürlich LindenLab. Wie im echten Leben.
Auch Wettbewerbe (“Disco XY sucht den Superavatar”) oder Spiele wie “Tringo” sind verglichen mit dem zu erwartenden Gewinn sehr Zeitintensiv. Zumal es eben Wettbewerbe sind, und man der/die Beste sein muß, um das Preisgeld einzustreichen.
Oft ist mit “echter Arbeit” oder “Konsumverzicht” mehr verdient. Ein RL-Cappuccino weniger, und man kann sich in SL einen tollen Tag machen. Eine RL-CD weniger, und die Miete für das tolle Strandgrundstück ist bezahlt. (Tip für die jungen unter uns: Einmal Papa’s Auto gewaschen bringt sicher mehr als ein ganzes Wochenende in SL gecampen und zocken. Ach so, Ihr dürft ja eh’ nur ins Teen-Grid…
Die LinkLift-Einnahmen auf meinen “echten Blog” bringen mir mehr ein, als ich mir in SL überhaupt nur erträumen könnte!
Mein Artikel, der beim Second Life Herald veröffentlicht wurde, brachte mir ein sattes Honorar von L$1000 ein. Pille-palle, aber es hat für einen schicken Anzug und die erste Miete für das In-World-Blog gereicht. Die dort aufgestellte Trinkgeldbüchse (“Tip Jar”) muss erst noch von den Lesern entdeckt werden
Ach ja, ein “sprechendes Werbeschild” habe ich auch “In Auftrag” erstellt und tatsächlich Geld dafür bekommen. Aber das war eine ziemlich einfach gestrickte Sache, und der kommerzielle Erfolg dürfte sich deshalb sehr in Grenzen halten.
Ich will nicht kleinkarriert oder pessimistisch daherkommen, aber wenn es ums Geld verdienen geht, dann sollte man Second Life als Spiel betrachten: Klar, auch mit Schach und Fußball kann man Geld verdienen (manche werden sogar stinkereich damit!). Die meisten spielen jedoch Schach, Fußball und Second Life um damit Spaß zu haben und um fit zu bleiben (oder werden). Dann macht die Sache auch Spaß.
Und nochmal: Anshe Chung wurde in SL zur Millionärin. David Beckham wurde im Fußball zum Millionär. Die Chancen es einem von beiden nachzumachen sind miteinander vergleichbar.