Kreatives Schaffen durch Teilen
Robert Basic hat anscheinend erst im Nachhinein erkannt, welche weitreichenden Folgen es haben kann, wenn man seine “Werke” unter eine freie Lizenz wie zum Beispiel die Creative Commons (CC) oder die General Public License (GPL) stellt.
Auch wenn diese Folgen meines Erachtens in der Summe positiv sind, sollte man die Lizenzfrage bewusst angehen.
Update: Im Artikel Freie Lizenzen - Einwände und Feedback habe ich zum erhaltenen Feedback Stellung genommen.
Programme oder Schriftstücke sind durch das Urheberrecht geschützt. Das bedeutet, dass ohne die Einwilligung des Autors zunächst keine Kopien angefertigt werden dürfen. Mit Ausnahme von Privatkopien und Zitaten im geringen Umfang. Auf jeden Fall darf aber niemand diese Werke öffentlich verteilen (”Vertrieb”). Bei Software sind nicht einmal Privatkopien und Zizate erlaubt.
Also: Keine Bücher mit meinen Artikeln und auch kein Vertrieb im Internet. Nicht ohne meine Erlaubniss. Wenn mich jemand fragt, dann kann ich die Erlaubniss erteilen. Ich kann auch Bedingungen stellen: Ein Freiexemplar für mich, einen sechstelligen Euro-Betrag auf mein Konto, Abdruck nur in blauem Einband, Verkauf nur an Donnerstagen, und so weiter.
Welche Auswirkungen hat es, wenn ich meine Programme unter der GPL oder meine Blogbeiträge unter der ungefähr entsprechenden CC-Attribution-ShareAlike (CC-by-SA) Lizenz veröffentliche?
Die Situation bleibt die gleiche. Ohne Erlaubnis kein Vertrieb meiner Werke. Allerdings habe ich bereits vorab der Allgemeinheit diese Erlaubniss unter bestimmten Bedingungen erteilt. Die Bedingungen sind:
- Attribution: Kopien meiner Werke und das andere daraus machen dürfen nur weitergegeben werden, wenn der Author bzw. Copyrightinhaber genannt wird.
- ShareAlike: Kopien meiner Werke und das andere daraus machen müssen (wenn sie weitergegeben werden) unter der gleichen Lizenz stehen.
- NonCommercial: Diese Option steht unter CC noch zusätzlich zur Verfügung. Sie untersagt kommerzielle Nutzung der Werke. Die GPL kennt keine entsprechende Einschränkung.
Wenn jemand diese Werke nutzt, sich aber nicht an die Bedingungen hält, so hat er keine Erlaubniss und verstößt damit gegen das Urheberrecht. Er kann mich jedoch vorher fragen, ob ich bereit bin eine Erllauniss mit weniger oder anderen Beschränkungen zu geben. Dann wären wir wieder bei der klassischen Lösung mit dem blauen Einband oder auch der Überweisung auf mein Konto.
Und welchen Sinn hat dann die GPL bzw. CC-by-SA?
Freie Lizenzen erleichtern “abgeleitete Werke” erheblich. Ich kann Podcasts mit CC-lizenzierter Musik untermalen, ich kann CC-lizenzierte Anleitungen in andere Sprachen übersetzten und verbreiten, ich kann GPL-lizenzierte Programme verbessern, und vieles mehr.
Solange ich mit den gestellten Bedingungen einverstanden bin, kann ich das einfach so tun, ohne nochmal um Erlaubnis fragen zu müssen. Es heißt zwar: “Fragen kostet nichts”, aber die Hemmschwelle ist oft doch sehr groß. Bis ich einen Komponisten um erlaubnis gefragt habe und die Antwort erhalte ist das Thema des Podcasts vielleicht schon nicht mehr aktuell. Vielleicht bin ich mir ja auch nicht sicher, ob ich die Übersetzung der Anleitung so ohne weiteres schaffe. Dann hätte ich den Autor umsonst belästigt.
Auch eine eventuelle Bezahlung bringt eine Hemmschwelle mit sich: Soll man Geld anbieten? Was ist genug? Was ist zuviel? Was ist lächerlich wenig?
Wenn ein Autor also sein Werk unter CC oder GPL veröffentlicht, dann ist damit klar, dass einer Weiterverwendung nichts im Wege steht.
Wie profitiert der Einzelne davon?
Ruhm und Ehre und das Gefühl, dass man das Richtige tut.
Im Prinzip sind die Anreize die gleichen, die es auch für das Bloggen allgemein gibt. Duch die Weiterverbreitung erhält der Ursprünglich Autor Bekanntheit. Die Anerkennung von Kollegen zählt viel in kreativen Kreisen.
Klar haben einige Entwickler von freier Software dadurch bezahlte Anstellungen gefunden. Dies ist jedoch die Ausnahme, und es ist zugegebenermaßen sehr wahrscheinlich, dass Linus Torvalds als begabter Programierer so oder so eine gute Stelle bekommen hätte.
Der wirkliche Nutzen von freier Software, freier Musik, freien Artikeln, Filmen, Bildern oder ganz generell freiem Content ist der, dass viele Leute daran arbeiten können. Hierdurch werden Perspektiven eröffnet, die für geschlossene Gruppen nicht möglich sind.
Wenn jeder die Funktionen ins Programm einfügt, die er selbst braucht, dann entstehen in kurzer Zeit leistungsfähige Programme für alle.
Wenn jeder das erklärt was er gut versteht (oder auch das, was ihm besonders Probelem bereitet hat), dann entstehen gute Handbücher.
Wenn jeder seine Meinung bloggt, dann entstehen Bilder der Gesellschaft, so genau und so “basisdemokratisch” wie sich Historiker dies für keine andere Epoche wünschen können.
Wenn ein Schulungszentrum aus verschiedenen Blogs Statistiken, Meinungen, Erklärungen und anderes zusammensucht und damit ein Seminar erstellt, das dann wiederum unter der CC-SA veröffentlicht wird, dann enstehen Schulungsunterlagen von einer Qualität, die ein Einzelner nur schwer hätte erreichen können. Durch die “ShareAlike” Klausel kommt dieses hochwertige Resultat allen zu gute.
Sind freie Lizenzen anmaßend bzw. bevormundend?
“Aber es kann mir doch niemand vorschreiben, wie ich meine Werke weiterzugeben habe!” - Stimmt. Aber wer für seine Schöpfung andere Werke verändert, muss dafür bezahlen. Und bei der GPL oder CC ist der Preis, dass die Änderungen auch frei lizenziert werden.
Wem dieser Preis zu hoch ist, der kann entweder auf die Vorarbeit der anderen verzichten, oder versuchen die Vorleistungen mit Geld einzukaufen.
Also: Bewusst lizensieren ist wichtig!
Wer Inhalte schafft, muss sich bewusst machen, wie wichtig die Lizenz ist die er dafür auswählt. Vor allem sind die Fragen zu klären:
- Sollen andere mein Werk weiterverwenden dürfen?
- Sollen andere mit meinem Werk Geld verdienen dürfen?
- Ist mein Werk so bedeutend, dass andere damit viel Geld verdienen können (und warum ‘vergolde’ ich es dann nicht selbst)?
- Oder sehe ich mein Werk als Beitrag für die Allgemeinheit, den ich als Dank für das was ich aus dem GPL/CC-Pool erhalten habe bereit stelle?
- Kann ich selbst durch die Erweiterungen anderer an meinem Werk gewinnen?
Für mich persönlich habe ich die Fragen beantwortet und bin zu dem bewussten Entschluss gekommen, meine “Schöpfungen” unter freie Lizenzen zu stellen.
Und um John Lenon zu zitieren: “You might say, I am a dreamer, but I am not the only one!”
Update: Im Artikel Freie Lizenzen - Einwände und Feedback habe ich zum erhaltenen Feedback Stellung genommen.


[...] Es gibt noch eine Zwischenlösung, die die meisten Vorteile der beiden dort aufgezeigten Möglichkeiten vereinigt: Freie Software. [...]
[...] wer nicht auf sein Recht besteht, braucht sich nicht zu wundern, dass es bald nichts mehr wert ist. Lizenzen müssen unbedingt bewusst gewählt werden. Das ist bei Software nicht anders als bei Blogs. Wer eine Lizenz wählt, um dann Ausnahmen in [...]
[...] Es gibt schon lange Menschen, die das Konzept des Urheberrechts umkrempeln. So beispielsweise die Erfinder der Softwarecodes von GNU (Richard Stallman, ebenfalls Erfinder der „Copyleft“-Lizenzen)/Linux (Linus Torvalds). Die einzige Bedingung an die Nutzung ihrer Software ist, dass jeder der sie verändert, diese frei weiter geben muss. Nähere Infos zu GPL (General Public License) und CC (Creative Commons) [...]